„Ich? Bitte um Verzeihung, es zog mir nur so —“, wieder unterbrach das Gähnen jede vielleicht beabsichtigte Bemerkung, „es zog mir nur so durch die Kinnbacken. Das kommt aber von einer Erkältung, die ich mir neulich zugezogen; auf Leber und Kinnbacken wirft sich bei mir Alles, ich leide an der Leber.“

„So?“ sagte der Fremde, ohne weitere Notiz von ihm zu nehmen.

„Ja“, sagte der Commerzienrath seufzend, „meine Leber ist drei Zoll zu groß — sie paßt mir nicht mehr und trägt sich auch nicht ab — sie wird immer größer, bis sie mir einmal das Herz abdrückt.“

Der Fremde stieß einen tiefen kläglichen Seufzer aus, erwiderte aber nichts, bis Herr Mahlhuber, der sich doch späterer Reiseerinnerungen wegen davon in Kenntniß zu setzen wünschte, mit wem er eigentlich eine Nacht in ein und demselben Zimmer geschlafen, sehr höflich sagte:

„Apropos, verehrter Herr, mit wem habe ich denn eigentlich das Vergnügen so naher Nachbarschaft?“

„Doctor Wickendorf aus Wien“, sagte der Fremde, ohne von seinen Papieren aufzusehen.

„Aus Wien — ih sehen Sie einmal an!“ rief der Commerzienrath, von einem neuen Gedanken ergriffen; „ich habe in der That schon einmal daran gedacht, nach Wien zu reisen, um — hm, das träfe sich ja wirklich ganz ausgezeichnet und könnte als ein gütiger Wink der Vorsehung gelten, die uns hier so glücklich zusammengeführt. Darf ich mir eine Frage an Sie erlauben?“

„Was wünschen Sie?“ fragte der Fremde langsam über das Licht hinwegsehend, erstaunte aber nicht wenig, als sein Schlafkamerad, der vom Sopha aufgestanden war, mit niedergebeugtem Kopfe, als wenn er ihn hätte widderartig vom Stuhle stoßen wollen, auf ihn zukam.

„Bitte, fühlen Sie einmal hierher“, sagte der Commerzienrath, als er dem Fremden so nahegekommen war, daß dieser schon von seinem Stuhle aufspringen wollte, indem er ihm den niedergedrehten Kopf hinhielt und mit seinem rechten Zeigefinger in die Nähe seines Scheitels deutete. „Thun Sie mir die Liebe und fühlen Sie einmal hierher.“

„Aber was wollen Sie nur?“