„Hierher, wenn ich bitten darf — noch ein wenig mehr rechts — so, das ist der Platz, fühlen Sie da nichts?“
„Nein.“
„Gar nichts, keine Erhöhung?“
„Nein, eher ein Loch —“, sagte Doctor Wickendorf. „Sie haben sich wol im Heraufkommen an die Treppe gestoßen?“
Der Commerzienrath stöhnte tief auf.
„An die Treppe gestoßen?“ wiederholte er seufzend, „gäbe Gott, es wäre weiter nichts als das, aber ich wollte schon lange einmal einen der berühmten wiener Aerzte consultiren, und das Schicksal scheint mir jetzt günstig zu sein. Meine Leber ist nämlich drei Zoll zu groß“, fuhr der Commerzienrath, als ihn der junge Mann unterbrechen wollte, rasch fort. „Ich leide an einer speckigen Entartung der Leber, die ich an Rippen, Zwerchfell und Magen anstoßen fühle. Das Schlimmste aber dabei, was mir mein Hausarzt nicht zugestehen will, ist eine damit in Verbindung getretene, früher operirte Balggeschwulst.“
„Herr, thun Sie mir den Gefallen und seien Sie still“, rief Doctor Wickendorf, indem er ein Gesicht schnitt, als ob er Aloe verschluckt hätte — „ich kann so etwas nicht hören, es wird mir immer gleich übel.“
„Uebel?“ rief der Commerzienrath — „ein Arzt und übelwerden — fühlen Sie nur hier — die Balggeschwulst war etwa von der Größe eines Taubeneis, leicht beweglich unter den Fingern, und —“
„Aber was geht das mich an!“ rief der junge Mann im Ekel abgewandt, „ich bin ja doch kein Arzt, daß Sie mich mit solchen höchst fatalen Dingen quälen.“
„Kein Arzt?“ rief der Commerzienrath wirklich überrascht, „sagten Sie mir denn nicht selber, daß Sie ein Doctor wären?“