„Wie viel Uhr haben wir denn eigentlich?“ sagte der Commerzienrath, vergebens bemüht, in seiner dunkeln Ecke das Zifferblatt der einen Uhr zu erkennen.

„O es ist kaum 10 Uhr, wir haben noch Zeit genug zum Schlafen. Ich bitte Sie aber jetzt den einzelnen Punkten aufmerksam zu folgen, Sie werden über ein solches Gewebe von Bosheit erstaunen.“

Der Commerzienrath wollte noch eine Einwendung machen; es war 10 Uhr und die Zeit für ihn zur Ruhe, die, wenn er sie überschritt, sich am andern Tage unrettbar an ihm strafte; aber er schämte sich auch einer so furchtbaren Nothwendigkeit gegenüber, wo es sich um die Bestrafung oder Entdeckung eines wirklich gefährlichen Menschen handelte, gleichgültig zu scheinen, fühlte noch einmal nach Leber und Kopf, seufzte tief und schmerzlich auf und sagte dann endlich resignirt:

„Nun gut, Herr Doctor, wenn sich die Sache wirklich so verhält, so fangen Sie in Gottes Namen an — es wird doch nicht so sehr lange dauern?“

„Kaum eine halbe Stunde“, lautete die wenigstens in dieser Hinsicht tröstliche Antwort, und der Doctor putzte sein Licht, räusperte sich, trank einen Schluck Bier aus dem neben ihm stehenden Glase, stützte den Kopf wieder in die linke Hand und begann:


[11.]
Die Geschichte von dem Scheusal.


„In einer großen Stadt in Deutschland, die wir Yburg nennen wollen, ich habe den wirklichen Namen absichtlich weggelassen, besonderer Rücksichten halber — lebte der Commerzienrath Schöler —“

„Commerzienrath?“ fragte unser Freund gespannt und sich etwas weiter aus dem Bette lehnend, das Ganze besser zu hören.