„Gut, dann bitte ich, daß jetzt die Thüren hier zugeschlossen werden und Niemand vor morgen früh hereingelassen wird.“
„Aber Sie müssen doch erst essen, Herr Commerzienrath“, rief Dorothee in Schreck und Angst.
„Wenn ich hungerig bin, werde ich’s schon sagen“, erwiderte dieser, „haben Sie sonst noch etwas zu bemerken?“
„Nein, Herr Commerzienrath, aber —“
„Schön — dann wünsche ich Ihnen und mir eine angenehme Ruh“, sagte Herr Mahlhuber und verschwand im nächsten Augenblick hinter der Kammerthür, die er abschloß und dann den Nachtriegel vorschob.
„Er ist übergeschnappt!“ sagte der Doctor achselzuckend, indem er seinen Hut wiederaufsetzte und sich umdrehte, das Zimmer zu verlassen.
„Dann sind Sie daran schuld!“ rief Dorothee, die Arme in die Seite stemmend, „denn Sie allein haben dem armen alten unglücklichen Manne so zugesetzt, bis er in aller Verzweiflung seine Heimat verlassen mußte und hinaus in die Welt ging.“
„Die Dorothee ist auch übergeschnappt!“ sagte der Doctor, und verließ langsam und kopfschüttelnd das Haus.
Und der Commerzienrath? — Lieber Leser, Morgens um 8 Uhr sitzt ein ganz behäbiger und für sein Alter noch ziemlich rüstiger Mann an dem offenen Fenster seiner Wohnstube, trinkt seinen Kaffee und liest mit großem Wohlbehagen aus der vor ihm aufgeschlagenen Zeitung die Berichte über das „Ausland“. Der Mann ist der Commerzienrath Mahlhuber in Gidelsbach und befindet sich ganz außerordentlich wohl.