„Von Carman?“ schrie Collins, der von der ganzen Verhaftung noch gar kein Wort wußte, und war mit einem Satz über seinen Ladentisch hinüber — „Carman haben sie verhaftet?“
„Na, gewiß,“ sagte Mills, der Kentuckier, über die Aufregung des sonst so ruhigen Händlers erstaunt — „ihn und noch einen Anderen, aber ich kenne ihn nicht. ’S ist, glaub’ ich, auch ein corncracker.“[A]
„Ganz recht, versteht sich von selber,“ lachte Collins auf, „alle Beide, und auf Raub, vielleicht gar Raubmord angeklagt, von einem der Spieler.“
„Na ja,“ sagte Mills, „ich hab’s Euch ja eben erst erzählt.“
„Und wißt Ihr, Mills, daß die beiden Leute gerade so unschuldig daran sind, als Ihr und ich?“
Mills machte ein etwas dummes Gesicht, denn er begriff nicht gleich, woher der Händler das wissen wollte; Collins aber, der im Nu den ganzen Plan des Richters durchschaute, ein paar Menschen aus dem Weg zu schaffen, die ihm, wenn nicht gefährlich, doch unbequem werden konnten, faßte den langen Kentuckier jetzt bei einem Knopf und erzählte ihm in kurzen, gedrängten Worten die Vorgänge in Mexiko und hier, wie den Verdacht, den er habe, daß da mit einem paar braver, rechtlicher Leute ein nichtswürdiges Spiel getrieben werden sollte.
Mills war ein guter, ehrlicher Kerl, aber etwas langsam von Begriffen, und es dauerte eine gute Weile, bis ihm Collins Alles so erklärt hatte, daß er es verstand. Als das aber wirklich erst einmal der Fall war, gerieth der Bursche fast außer sich, und Collins hatte jetzt die größte Mühe, ihn nur zurückzuhalten, daß er nicht augenblicklich zu Richter Black hinüber lief, Skandal anfing, und dann selber festgesetzt wurde, ohne den Gefangenen auch nur das Mindeste zu nützen.
Vor allen Dingen galt es, zu erfahren, wann das Verhör sein solle, und daß Dr. Black nicht lange damit zögern würde, ließ sich denken; Mills beschloß indessen, in die sogenannte Flat hinauszugehen, wo eine Anzahl seiner Bekannten und Landsleute arbeitete, um mit diesen Rücksprache zu nehmen. Abends ließ sich dann das Weitere in der Stadt besprechen, und morgen war überhaupt Sonntag, wo nirgends in den Minen gearbeitet wurde.
Collins selber legte sich indessen auf die Lauer, um vielleicht hie und da etwas darüber zu hören, was man mit den beiden Gefangenen vorhabe, aber Richter Black ließ ihn gar nicht lange in Zweifel und schien in der That das Eisen zu schmieden, so lange es warm war. Der morgende Sonntag mochte ihm nämlich nicht besonders für diesen Gerichtsfall passen, da die Leute an dem Tage zu viel Zeit hatten, Sonntags kamen auch noch viele Goldwäscher aus der Nachbarschaft nach Ludville, um hier ihre nöthigen Provisionen für die nächste Woche einzukaufen, und den Tag dann unter Bekannten und Freunden zu verbringen; dem mußte vorgebeugt werden. Gleich nach Tisch war natürlich Alles wieder an die Arbeit gegangen, und das Städtchen lag wie leer und verödet. Nur die Spieler, die an den Waschplätzen nichts zu suchen hatten, und die Händler und Wirthe waren zurückgeblieben, und eine günstigere Zeit, um das Verhör der beiden Gefangenen vorzunehmen, kam sicher nicht wieder. Richter Black war dabei nicht der Mann, eine solche Gelegenheit unbenutzt verstreichen zu lassen. Er glaubte allerdings nicht, daß die beiden Angeklagten besondere Freunde hier im Ort hatten, aber selbst die Möglichkeit eines Einspruchs konnte durch rasches Verfahren vermieden werden, und daß seine Freunde dann zu ihm standen, wußte er gewiß.
Die Spieler selber wurden auch in der That hier nur durch ihn allein gehalten, denn oft schon hatten die Einwohner von Ludville bei dem Richter darum nachgesucht, die sämmtlichen Spielhöllen aufzuheben. Dem Gesindel wäre dadurch aber einer der vortheilhaftesten Plätze in den Minen genommen worden, und Richter Black hielt seine Hand darüber, ja erklärte, den verschiedenen Anforderungen gegenüber: er für seine Person könne keine besonderen Gesetze für Ludville geben, wo die obersten Behörden selbst in San Francisco und unter ihren Augen das Spiel gestatteten. Dabei blieb es, ja es wurde noch ärger, als in benachbarten Minenplätzen die Goldwäscher, dieser nichtsnutzigen Bande überdrüssig, sie zum Tempel hinaus jagten. Welchen besseren Platz hätten sie da aufsuchen können, als das, in einem der goldhaltigsten Thäler liegende Ludville, so daß jetzt einige dreißig Mann dieses Gelichters hier ihren stehenden Wohnsitz genommen hatten und nur dann und wann einen Abstecher machten, um an neu entdeckten Waschplätzen die Arbeiter um ihr Gold zu betrügen und nachher hierher zurückzukehren.