„Gentlemen!“ rief da Collins, der recht gut die Gründe einer so raschen Gerichtspflege durchschauete, und sich von dem Richter in Eltonville nicht viel mehr versprach, als von diesem Mr. Black, wenn sie ihn überhaupt dorthin ablieferten, „gestatten Sie mir eine Frage.“
„Und was wünschen Sie, Sir?“ fragte der Richter und sah ihn rasch und mißtrauisch an.
„Ich erlaube mir,“ sagte da Collins mit lauter und ruhiger Stimme, „gegen ein solches Verfahren zu protestiren.“
„Hallo? so? was will denn der Kerl?“ tönte es von den verschiedensten Seiten, „hat der hier was zu sagen?“
„Ich bin selber Advokat,“ fuhr aber Collins unbekümmert fort, „und weiß deshalb, daß diese Leute nicht dem Obergericht übergeben werden können, ehe nicht eine Jury über sie gesessen hat, die von ihnen anerkannt wurde. Die Bewohner von Ludville haben aber ein Recht, über das gehört und befragt zu werden, was so in ihrer Mitte geschieht, und ich möchte deshalb —“
„Werft ihn hinaus,“ kreischte der junge Bursch, der vorher den freundlichen Antrag des Hängens gestellt hatte, „was hat der hier zu thun?“
„Well, my little fellow,“ sagte Collins, dessen Blut auch jetzt zu kochen anfing, „wenn Dir’s Spaß machen sollte, so versuch’ es doch einmal, mich hinauszuwerfen. Uebrigens muß ich dem Gerichtshof erklären, daß dies hier ein ganz unwürdiges Verfahren ist. Kläger und Zeugen gegen diese beiden amerikanischen Bürger sind Menschen, die ihren Erwerb vom Spiel haben, und wenn —“
Ein so furchtbares Toben und Zischen und auf die Tischeschlagen unterbrach ihn hier, daß es nicht möglich war, weiter zu reden, und Black selber mußte die Versammlung bitten, Ruhe zu halten. Von jetzt ab fand aber gar keine Verhandlung mehr statt, sondern es wurden nur Beschlüsse gefaßt, und ein Theil der Spieler zerstreute sich auch schon, um ihre Pferde herbeizuholen, und die Gefangenen augenblicklich zu transportiren.
Wurden sie nun wirklich nach Eltonville geschafft, so zweifelte Collins keinen Augenblick daran, daß er einen Aufschub des Gerichtsverfahrens dort erlangt hätte, bis er die nöthigen Beweise für die Unschuld der Gefangenen beibringen konnte. Aber das wußte Black eben so gut, und er selber zweifelte deshalb keinen Moment daran, daß ein ganz anderes Verfahren beabsichtigt, und das Leben der beiden Amerikaner auf’s Aeußerste bedroht sei, sobald sie, gebunden wie sie waren, dieser Bande übergeben und von ihr durch den Wald geführt wurden. Was hätten sich diese Menschen daraus gemacht, die Gefangenen, die — wenn sie doch vielleicht frei kamen — gerade nicht so aussahen, als ob sie alles Erlittene ruhig hinnehmen würden, gleich selber unterwegs abzuurtheilen und irgend wo im Dickicht an einen Baum zu hängen. Schlimmere Dinge waren schon in Californien geschehen, und wer hätte nachher einen Beweis über die That führen wollen.
Collins fühlte auch, daß er hier handeln mußte, und noch dazu keinen Augenblick versäumen durfte, denn bis die Goldwäscher von ihren verschiedenen Arbeitsplätzen zurückkehrten, darüber vergingen heute noch mehrere Stunden, und längere Zeit brauchten die Buben gar nicht, um Alles auszuführen, was sie beabsichtigten: sollte er aber selber hinauslaufen und die Arbeiter zusammenrufen? selbst dies hätte nichts genützt, denn rings um Ludville zerstreut steckten sie in ihren Gruben und er brauchte über eine Stunde, nur um rings die nächsten Plätze anzurufen, — da gab es aber ein besseres Mittel.