Dicht neben seinem Zelt wohnte ein Kentuckier, der eine der gewöhnlichen Speisewirthschaften hielt und einen großen Gong oder Tamtam benutzte, um seine Gäste Mittags zu Tisch zu rufen. Diese Gongs, große Metallplatten von eigenthümlicher Composition, mit einem scharfeingebogenen Ring darum, machen aber einen ganz merkwürdigen Lärm, und er erinnerte sich selber, den Ton bis weit hinein in die Hügel gehört zu haben. Zu dem Kentuckier sprang er jetzt, er sah, daß schon Einige der Burschen ihre Pferde herbeiführten, daß also an einen Aufschub nicht zu denken war, und diesem mit flüchtigen Worten erzählend, was draußen im Werke sei, griff er den Gong und dessen Klöppel auf, sprang auf einen hinter dem Hause befindlichen Hügel und begann das Instrument aus allen Kräften zu bearbeiten.

Es war ein furchtbarer Lärm, den die Platte machte, aber er erreichte vollkommen seinen Zweck. Aus allen Zelten eilten die Bewohner hinaus in’s Freie, um zu sehen, was der Sturmruf zu so ungewohnter Stunde bedeute, und selbst aus den Niederungen kamen schon einzelne Goldwäscher angesetzt, denn daß etwas Außerordentliches vorgegangen sein müsse, wußten Alle. Hatten die Mexikaner den Ort gestürmt? Feindseligkeiten zwischen ihnen und den Amerikanern waren verschiedene Male vorgekommen, und erst kürzlich verbreitete sich das Gerücht, daß sie in Sonora, einer anderen Minenstadt, versucht hätten, den Amerikanern Trotz zu bieten. Oder sollten sich die Franzosen empört haben? in Murphy’s Diggings war Aehnliches geschehen. Jedenfalls mußten sie sehen, was dort passirte, und das war Alles, was Collins wollte.

Aus der Flat selber aber kam der Kentuckier mit etwa zwanzig Freunden und Bekannten herangestürmt, denen er schon draußen erzählt hatte, was in Ludville im Werke sei. Hatte wirklich Collins das Zeichen gegeben? Schon von Weitem erkannte er ihn oben auf dem Hügel, und Spaten und Brechstangen, was sie unterwegs fanden, aufgreifend, eilten die handfesten Burschen zum Succurs herbei.

Mr. Black hatte den Lärm ebenfalls gehört, und augenblicklich seinen Sheriff hinaus gesandt, um eine Fortsetzung desselben zu verhindern. Collins aber, um den sich schon eine Anzahl von Amerikanern, Deutschen und Franzosen gesammelt, ließ sich nicht irre machen, und als der Sheriff Gewalt brauchen wollte, ja sogar seinen Revolver zog, stellten sich ihm plötzlich soviel drohende Gestalten entgegen, daß er ziemlich scheu den Rückweg suchte, um erst dem Richter über diese eben nicht viel versprechenden Anzeichen Bericht abzustatten.

Indessen hatte sich die Escorte der beiden Gefangenen, denen das Herbeiströmen der Männer nicht entgangen war, nur noch mehr beeilt, fortzukommen. Acht von ihnen saßen schon zu Pferde, die beiden Gebundenen in der Mitte und hielten es jetzt für rathsam, lieber den Platz zu verlassen, die Anderen mochten ihnen dann, so rasch sie konnten, folgen. Diesen entgegen warf sich aber jetzt der Kentuckier mit seinen Leuten, und dadurch vollkommen die Straße sperrend frug er sie, wohin sie mit den beiden Amerikanern wollten.

„Nach Eltonville, zum Obergericht, im Namen des Gesetzes gebt Raum!“

„Oh, Mills!“ rief Carman, der seinen früheren Kameraden erkannt hatte, „sei doch so gut, und schlag einmal dem Halunken eins über den Kopf, bis ich selber die Hände freibekomme.“

„Es sind Verbrecher,“ rief ein Anderer wieder, „die dem ordentlichen Richter überliefert werden sollen, Ihr werdet keine Raubmörder beschützen wollen.“

„Lügenhund, nichtswürdiger!“ schrie jetzt Hudson, dem nun auch die Galle überlief, „laß mich die Hände frei bekommen.“

„Und dazu braucht es Euch Spielergesindel?“ rief ein baumlanger Texaner, der eine große eiserne Brechstange in der Hand hielt, „um einen Gefangenen zu transportiren? waren dazu keine achtbaren Männer aufzutreiben? Laßt die Leute frei!“