„Der und sein Helfershelfer da, die Carricatur von einem Sheriff, der nicht mehr Idee von einer Gerichtsperson hat, wie eine Kuh,“ fuhr aber Mills, ohne sich im Geringsten irre machen zu lassen, fort, „haben hier in Ludville dem Teufel sein Spiel getrieben, und wer hat regiert? Nur das nichtsnutzige Gesindel, das mit falschen Karten und Revolvern im Land umherzieht. Wenn ein Stück Vieh oder ein Pferd gefallen ist, so sind in zehn Minuten die Aasgeier da und machen sich breit — wo irgend eine neue Mine, ein reicher Platz gefunden wird, wer hockt da zuerst in den Zelten und lauert darauf, den fleißigen Arbeitern das mühsam ausgewaschene Gold wieder abzujagen? diese Spieler. Am Rich Gulch haben sie die Bande zum Teufel gejagt, am Bee River machten sie’s noch besser, da hingen sie die eine Hälfte und ließen die Anderen laufen. Wollen wir zurückbleiben?“
„Nein! fort mit der Bande!“ schrieen die Goldwäscher fast wie aus einem Munde, „fort mit den Schuften; es giebt keine Ruhe im Ort, bis wir sie nicht hinausgejagt haben.“
„Wenn die Gerichte in San Franzisco keine Macht haben,“ schrie der Texaner, „den Gaunern das Handwerk zu legen, so haben wir sie hier und wollen sie brauchen.“
„Und die beiden Leute dort,“ fuhr Mills fort, „so brave Amerikaner, wie je in Californien ein Loch gegraben, wollten diese Canaillen jetzt eben in den Wald führen und dort aus dem Weg schaffen, und weshalb? weil sie in diesem Mr. Black denselben Dieb erkannt haben, der sie in Mexiko mit einer Bande von greasers[B] überfiel, plünderte und dabei vier Amerikaner todtschoß.“
„Wo ist Black? wo ist der Hund? holt ihn, sucht ihn!“ schrieen die Miner durcheinander.
„Boys!“ schrie Mills noch einmal, „Gentlemen!“ denn er war noch lange nicht fertig, aber sie hörten ihn nicht mehr. Sie hatten jetzt ein bestimmtes Ziel, und weiter brauchten sie nichts — verlangten nicht mehr. Wie eine Sturmfluth wälzte sich auch der Haufen, der jetzt zu einigen Hunderten angewachsen sein mochte, dem Zelte zu, in welchem sich der Richter gewöhnlich um diese Tageszeit aufhielt. Aber wo war Richter Black?
Ein gegenüber wohnender Händler hatte gesehen, daß Einer der Spieler, jener junge Bursche, bleich wie der Tod, vor das Zelt des Richters galoppirt war und rasch einige Worte mit ihm gewechselt hatte, dann war er fortgesprengt die Straße hinab, während Black selber langsam zu seiner eigenen, gerade über Ludville gelegenen Wohnung, einer kleinen, aber festen Blockhütte hinaufstieg.
Dorthin stürmte jetzt die aufgeregte Schaar; was sie mit dem bis dahin so gefürchteten Richter wollten, wußten sie eigentlich selber nicht, aber er sollte ihnen Rede stehen — er sollte sich gegen die wider ihn erhobene Anklage vertheidigen und dann? — ja den Raub herausgeben, den er an ihnen verübt — er und der Sheriff. — Aber Richter Black hatte es für gerathen gehalten, einen solchen Ausbruch der entfesselten Volkswuth nicht abzuwarten.
Sein Haus stieß dicht an den Wald, und dort oben hatte er bis jetzt immer einen jungen Mexikaner gehalten, der ihm Morgens sein Frühstück bereitete und für die Reinlichkeit des Hauses sorgte, überhaupt auch als Wache desselben diente.