Beide waren jetzt verschwunden, auch Blacks Sattel und Zaum fehlte, aber der Vorsprung, den er gewonnen, konnte nur ein sehr geringer sein und der, jetzt nur noch mehr erbitterte Schwarm vertheilte sich im Wald, um ihn einzuholen; hatte er doch schon durch seine Flucht die ganze, ihm aufgehäufte Schuld eingestanden. Aber freilich war das Terrain um Ludville her sehr zerklüftet und rauh, und wer sich dort verborgen halten wollte, fand wohl Schlupfwinkel genug in der Nachbarschaft. Außerdem neigte sich der Tag seinem Ende und es blieb den Verfolgern nicht einmal lange Zeit, dem Flüchtigen nachzusetzen. Uebrigens hatten sie auch mehr in Ludville selber zu thun, und dort begann jetzt das Rachewerk zuerst an Blacks Wohnung, die sie vorher genau durchsuchten, ob sich nicht vielleicht versteckte Schätze fänden, die seine Schuld noch klarer machten. Black aber schien, was er erbeutet, auch in Sicherheit gebracht zu haben, und wenn er es nicht mitgenommen, hatte er es vielleicht in der Nachbarschaft versteckt, wo er es einmal über Nacht abholen konnte.
Waffen fanden sie übrigens genug: noch eine geladene Büchse, drei Revolver und ein langes Messer, was er keinenfalls Alles auf seiner Flucht mit fortgebracht. Aber keiner der Männer rührte auch nur ein Stück der hier gefundenen Gegenstände an. Im Kamin brannten Kohlen.
„Steckt das Nest in Brand!“ rief Mills, der bei der Untersuchung besonders thätig war, „die Canaille scheint ja hier ein ganzes Waarenlager von Mordinstrumenten gehalten zu haben — Feuer in die Bude, das ist das Beste.“
Dem Rath wurde auch rasch Folge geleistet. Ein paar junge Burschen kletterten auf das Dach, brachen dort die Schindeln auf und warfen sie hinunter, andere hatten indessen schon das trockene Moos der Matratze auf die Gluth geworfen, und ehe eine Viertelstunde verging, loderte die züngelnde Flammensäule hoch in die stille Luft hinein.
Jetzt erst sammelten sich die Männer wieder in Ludville, um dort einen festen Entschluß zu fassen und den Spielern anzukündigen, daß sie vor anbrechendem Tag den Platz zu verlassen hätten. Aber keiner von ihnen schien das Resultat der Verhandlung abgewartet zu haben, denn sie kannten Alle aus Erfahrung den Verlauf solcher Volksausbrüche, die noch dazu nicht einmal immer so unblutig abliefen wie hier. Das wenige Eigenthum, was sie besaßen — ihr Gold und ihre Revolver, packten sie in ihre Satteltaschen, und fort stoben sie nach allen Seiten, um einen ruhigeren Aufenthalt für ihre Thätigkeit zu suchen.
Nur der Sheriff brachte die Leute in Verlegenheit; sie hatten ihn, als er mit der Büchse auf sie einsprang, gebunden, und sie wußten jetzt nicht recht, was sie eigentlich mit ihm anfangen sollten. Eine Klage lag auch weiter nicht gegen ihn vor, denn er war nur immer der treue Helfershelfer des Richters gewesen, da er von dessen Einkünften seine hohen Procente zog. Nach der Flucht des Richters aber konnten sie sich doch nicht gut nur an sein Werkzeug halten, und man beschloß endlich, ihn los zu binden und laufen zu lassen — vorher aber mußte er freilich Alles das, was er Hudson und Carman bei ihrer Verhaftung abgenommen, herausgeben.
Allerdings wollte sich der Sheriff jetzt damit nicht begnügen und wüthete und tobte im Ort herum. Mills aber besaß eine wunderbare Ueberredungsgabe.
„Sheriff,“ sagte er, indem er zu ihm ging und ihm die Hand freundlich auf die Schulter legte, „wenn ich Euch in einer halben Stunde noch in Ludville treffe, schlage ich Euch eigenhändig den Schädel ein — und nachher könnt Ihr mich verklagen.“ Dann drehte er sich ab und ging in das Zelt, wo jetzt eine Versammlung stattfand, um einen neuen Richter und Sheriff zu wählen.
Hudson und Carman durchsuchten allerdings noch den ganzen nächsten Tag den Wald, um den entflohenen Räuber aufzufinden, ja blieben sogar die ganze Nacht auf der Lauer liegen, weil sie vermutheten, er würde vielleicht versuchen, nach Dunkelwerden heimlich zu seiner Wohnung zurückzukehren, aber er ließ sich nicht mehr in der Gegend blicken und mußte jedenfalls andere Mittel und Wege gefunden haben, sein Gold jetzt — oder wahrscheinlich auch schon früher, in Sicherheit zu bringen.