„Da haben wir’s,“ rief sie halb lachend, halb ärgerlich, „jetzt ist ein großes Loch in meinem schönen Kleid — nun wird mich der Papa einmal tüchtig auszanken, Jeanette.“
„Gerad’ Loch, wie Pello böse Mann gebissen,“ sagte die Kleine, indem sie sich scheu im Zimmer umsah.
„Böse Mann?“ rief Lily erstaunt, denn sie wußte, daß die Kleine nur jenen unbekannten Mörder so genannt und früher jedesmal geweint hatte, sowie sie den Namen aussprach, „Pello hat ihn gebissen?“
„Ja — großes Loch, bösen Mann — wollte Jeanette todt machen und Pello wollt’s nicht leiden — arme Pello ist selber todt, weil er bösen Mann gebissen.“
Pello war der kleine Hund jener armen, unglücklichen Frau, die ein so schreckliches Ende genommen.
„Und wie sah der böse Mann aus, Herz?“ frug Elisabeth, der plötzlich eine Masse wirrer Gedanken durch’s Hirn schossen.
„Zuckerdüte,“ erwiederte aber Jeanette, und langte nach der bunten Düte, die Elisabeth noch in der Hand hielt.
„Ja, Herz,“ sagte diese, sich zu ihr niederkauernd und die Düte öffnend, „hier, mein Schatz, da sind schöne große Chokoladenplätzchen — und hier Rosenbonbons — und sieh’ einmal die vielen kleinen bunten Eierchen, rothe, blaue, weiße, gelbe, braune; das gehört Alles Dein, und das nimmst Du Deiner guten Mama mit hinunter und läßt Dir davon geben, alle Tage etwas, damit Du nicht zu viel ißt und krank wirst — nicht wahr?“
„Ja,“ sagte die Kleine altklug, „daß Jeanette nicht krank wird — aber etwas darf ich doch jetzt essen?“
„Gewiß, mein Herz — siehst Du das Stück Chokolade und den großen Bonbon und ein ganzes Händchen voll kleine bunte Eier, das darfst Du Alles jetzt essen — so, und nun setz’ Dich einmal hier her zu mir — da hier auf die Fußbank, da schütt’ ich es Dir in die Schürze, und dann plaudern wir hübsch zusammen und Du erzählst mir von dem bösen Mann.“