„O, Lily, — meine liebe, süße Lily,“ rief das junge Mädchen unter Thränen lächelnd, „wie lieb und gut das von Dir ist, daß Du zu meinem Ehrentag gekommen bist; ich kann Dir gar nicht sagen, wie ich mich nach Dir gesehnt und Dich herbeigewünscht habe, — aber Herz,“ rief sie plötzlich, die Freundin auf Armeslänge von sich drückend, „was fehlt Dir, — Du siehst bleich — ganz erschrecklich bleich und angegriffen aus. Warst Du krank?“

„Nur von der Reise ein wenig erschöpft, Klärchen, — aber auch Du siehst anders aus, als ich Dich mir gedacht, — ich hoffte, Dich von Glück strahlend zu finden.“

„Ich bin glücklich, Lily,“ sagte Klara, ihren Kopf auf der Freundin Schulter legend.

„Du bist glücklich?“ flüsterte Elisabeth, „und sagst das gerade mit einem Tone, als ob Du Dich bei mir entschuldigen müßtest. Dein Brief lautete so glücklich.“

„Und so ist mir auch zu Muthe, Lily,“ sagte Klara, ohne jedoch ihr Antlitz zu erheben, „glaube mir, Herz — bitte, glaube mir, Lily.“

„Ich will Dir glauben,“ sagte Elisabeth leise, „wenn das Dich beruhigt, — aber etwas ist vorgefallen, meine Klara, das wirst und kannst Du mir nicht ableugnen. Hab’ ich Recht? — komm’, sieh mich an, Kind, — aus Deinen Augen erfahr’ ich die Wahrheit weit eher, als von Deinen Lippen.“ Sie wollte dabei Klara’s Kinn sanft emporheben; aber diese duldete es nicht.

„Es ist Nichts vorgefallen, Lily,“ sagte sie leise, — „Nichts von Bedeutung wenigstens, — ich wäre ärger als ein Kind, wenn ich mir Sorgen darüber machte.“

„Und darf ich es wissen, Klara?“

„Ja, — aber nicht jetzt — nachher — nach Tische, wenn wir im Garten spazieren gehen. — Und wo ist Käthchen?“ setzte sie rasch hinzu, wie um das Gespräch auf einen anderen Gegenstand zu bringen, — „warum hat sie euch nicht begleiten dürfen?“

„Wir konnten doch nicht schon wieder mit der ganzen Familie kommen,“ lächelte Elisabeth, — „Käthchen muß jetzt Haus halten, und Papa hat auch nur so wenig Zeit, daß er sich kaum die paar Tage abzwingen konnte.“