„Und seit wann kennt ihn Dein Bräutigam?“

„O, seit etwa zwei Tagen erst. Er kam mit einer Empfehlung von Berlin an Professor Perler und meinen Vater und scheint wohl ein sehr gescheidter Mann, aber — doch da kommen sie, — Ferdinand wird überrascht sein, Dich zu treffen.“

Sie hatte nicht Zeit, mehr zu sagen, denn in dem Augenblick öffnete sich die Thür, und von Berger, den Assessor Berthus am Arm und sein Gesicht ein wenig von dem genossenen Wein geröthet, betrat das Zimmer, wo er, der Aussage eines der Dienstboten nach, seine Braut wußte.

Klara hatte übrigens richtig vermuthet. Wirklich überrascht blieb er auf der Schwelle stehen, als er das junge Mädchen bei seiner Braut fand und auch augenblicklich erkannte.

„Mein gnädiges Fräulein, das ist allerdings eine unverhoffte Freude,“ stammelte er, etwas verlegen, und Elisabeth entging nicht, daß er sich leicht entfärbte; ehe sie aber etwas darauf erwiedern konnte, öffnete sich die Seitenthür, und Professor Perler mit seiner Frau und Tochter und dem Justizrath traten in’s Zimmer.

War Berger indeß wirklich einen Moment verlegen gewesen — und die Gewißheit dafür ließ sich in seinen Zügen nicht lesen — so konnte ein solches Gefühl bei ihm nie Wurzel fassen. Es schwand so rasch, wie es gekommen, und die Hand dem Vater Elisabeth’s entgegenstreckend, wie er nur seiner ansichtig wurde, ging er auf ihn zu und rief mit herzlicher Stimme: „Ah, mein lieber Herr Justizrath, wie soll ich Ihnen danken, daß Sie meiner Klara die Freude gemacht haben; das war wirklich unendlich liebenswürdig von Ihnen.“

„Herr von Berger,“ sagte der Justizrath höflich, indem er die gebotene Hand nahm, „Ihrer Fräulein Braut zu Liebe haben wir allerdings den weiten Weg gemacht, — aber auch unserer selbst wegen, — Sie haben uns nicht dafür zu danken.“

„Dann erlauben Sie, daß ich Ihnen auch zugleich einen Freund unseres Hauses, Herrn Professor Berthus, vorstelle — lieber Professor, Herr Justizrath von Hochweiler aus — wie hieß doch gleich die Stadt, bester Justizrath?“

„Hoßburg.“