„Ah, in der That,“ rief Berthus, mit seinem trockensten Lächeln, „freut mich in der That, Ihre Bekanntschaft zu machen, Herr Justizrath, — in der That, — und das Fräulein Tochter, wie ich vermuthe.“

„Meine Tochter,“ sagte der Justizrath, an dem jetzt die Reihe war, verlegen zu werden, denn alles Blut stieg in diesem Augenblick in Elisabeth’s Antlitz und drohte ihr die Adern zu sprengen.

„Sehr angenehm, mein gnädiges Fräulein,“ erwiederte aber Berthus mit einer tiefen Verbeugung, „und sehr ehrenvoll, — Sie werden das morgende Fest verherrlichen. Aber wo ist Ihr Schwiegerpapa, Berger? er wird uns wieder mit dem Essen warten lassen.“

Der Assessor fühlte, daß er Elisabeth Luft geben mußte, wenn sie sich nicht verrathen sollte, und hatte damit das richtige Kapitel getroffen.

„Dein Papa läßt uns wirklich wieder warten, liebe Klara,“ sagte er; „er hat den Kopf so voll von abstrakten Dingen, daß er uns arme Sterbliche immer darüber vergißt.“

„Er wird gewiß gleich kommen, Ferdinand,“ bat Klara mit einem ängstlichen Blick auf ihren Bräutigam, — „er bekam heute Morgen noch so viel zu thun.“

„Hat auch noch gar Nichts versäumt,“ sagte die Frau Professorin, „sie sind doch noch nicht mit der Suppe fertig, und ehe angerichtet wird, kommt er schon.“

Das Gespräch wurde jetzt allgemein. Berthus unterhielt sich besonders mit dem Professor über den letzten politischen Leitartikel in der Kölnischen Zeitung, und Berger war mit Klara in eine Fensternische getreten und das junge Mädchen flüsterte leise und bittend ihm zu. Endlich kam der Medizinalrath, — Rosa hatte schon auf der Warte gestanden, um ihn gleich anzumelden, und in dem Augenblick zeigte auch die Frau Professorin an, daß die Suppe servirt sei.

Jetzt begannen die gewöhnlichen Höflichkeitsformeln. Berthus bot artig der Frau Professorin den Arm. Berger führte Elisabeth, der Professor Klara, und der Medizinalrath kam eben zu spät, um Fräulein Rosa noch zur Tafel zu geleiten.

Elftes Kapitel.
Die Entscheidung.