Die aus den Staaten kommenden Reisenden führten gewöhnlich Nichts bei sich, als ihr dürftiges Reisegeld. Weit anders war es dagegen mit den „Californiern“ bestellt, die nicht selten schwere, mit Goldstaub gefüllte Katzen um den Leib geschnallt trugen, und so häufig wurden zuletzt die Angriffe auf diese, daß sich die Regierung genöthigt sah Militär aufzubieten, um die Straße doch so viel als irgend möglich zu sichern. Uebrigens verbreitete sich sehr bald das Gerücht, daß es nicht blos Mexikaner seien, welche hier am Weg den goldbeladenen Wanderern auflauerten, sondern daß sich, besonders in letzter Zeit, auch viele eingeborene Amerikaner dieses Geschäfts angenommen hätten und — allerdings in mexikanischer Tracht, um den Verdacht und die Verfolgung von sich abzulenken — die kecksten Raubanfälle ausführten.
Das Nämliche hatte schon auf der Landenge von Panamá begonnen, jetzt pflanzten sich auch die Banden nach Mexico hinüber und setzten die Reisenden besonders durch die vielen dabei verübten Mordthaten in Angst und Schrecken. Die Mexikaner selber hatten früher wohl auch ihre Opfer überfallen und geplündert, aber nur in einzelnen seltenen Fällen Blut vergossen; jetzt aber schienen rauhere, erbarmungslosere Hände bei der Arbeit beschäftigt zu sein, und der Angriff auf kleine Caravanen oder einzelne Reisende geschah nicht mehr mit einer Aufforderung, sich zu ergeben, sondern Revolver und Büchsenschüsse warfen die Unglücklichen von ihren Thieren hinab, und der fast stets zu spät eintreffenden Polizei blieb es dann überlassen, die aufgefundenen Leichen zu begraben.
Ein paar Mal hatten sich die Ueberfallenen allerdings mit Erfolg zur Wehr gesetzt und den Angriff abgeschlagen, auch einige der Räuber dabei getödtet, wonach es sich denn stets herausstellte, daß sie zur verworfensten Klasse der menschlichen Gesellschaft, zu der der amerikanischen professionirten Spieler gehörten, denn sie trugen außer ihren Revolvern und Bowiemessern auch noch regelmäßig ihre falschen Karten bei sich, für welche in den Vereinigten Staaten besondere Fabriken bestehen, die sie zu Tausenden fertigen. Aber die Race starb nicht aus, und obgleich sich diese Bursche mit betrügerischem Spiel ihr Geld wohl auch leicht und rasch verdienten, schien es ihnen doch hier noch rascher zu gehen, wo sie die californischen Goldgräber gleich von der Quelle fort „pflücken“ konnten, wie sie es nannten.
Die Kunde über diese, schnell einander folgenden Verbrechen drang auch bald nach Californien hinauf, und Viele, die sich mit schwerer Arbeit ein Vermögen erworben, oder doch eine hübsche Summe von Gold zusammengebracht, scheuten sich jetzt der Gefahr entgegen zu gehen, das Alles — noch vielleicht mit dem Leben — auf einer mexikanischen Landreise wieder einzubüßen. Wo sie deshalb nur Schiffsgelegenheit um Cap Horn erhalten konnten, zogen sie den allerdings viel weiteren aber auch sicheren Weg vor, und das Geschäft in Mexiko wurde dadurch flauer.
Alle konnten aber freilich nicht auf Schiffen befördert werden, denn gerade in damaliger Zeit verließen noch sehr wenige Fahrzeuge die Häfen wieder, da ihnen meistens die Matrosen in die Minen desertirten und neue Mannschaften nicht so rasch aufzutreiben waren. Wer allerdings seine Zeit abwarten wollte, durfte auch darauf rechnen Gelegenheit zu finden, aber die heimkehrenden Leute besaßen selten so viel Geduld, und so fanden sich denn auch selbst jetzt noch kleine Trupps zu den abenteuerlichsten Zügen zusammen, die bald durch Neu-Mexiko, bald auch über Acapulco das atlantische Meer zu erreichen suchten, und, bis an die Zähne bewaffnet, einem feindlichen oder räuberischen Angriff Trotz boten.
Im Herbst des Jahres 1849 hatten sich solcher Art ebenfalls sechs junge Amerikaner mit einem kleinen Küstenfahrzeug nach Acapulco eingeschifft, und obgleich sie dort gewarnt wurden, ihre Reise nicht gleich fortzusetzen, da gerade in letzterer Zeit wieder viele Raubmorde stattgefunden, während in den nächsten Tagen eine Militärpatrouille eintreffen mußte, die ihnen dann völlige Sicherheit bot, wollten sie doch nicht hören, sondern mietheten sich Maulthiere und einen Führer und traten ihren Marsch dann ohne Weiteres an.
An der Küste selber war der Weg außerordentlich belebt. Ueberall dicht an der Straße oder in kurzer Entfernung davon lagen bald größere, bald kleinere Ranchos, und Maulthier- und Eselzüge, welche ihre Lasten in die Hafenstadt brachten, begegneten ihnen fast ununterbrochen; ein klarer, sonniger Himmel spannte sich dabei über sie aus, und die Seebrise kühlte die Luft so herrlich ab, daß sie ihre Thiere ganz tüchtig konnten austraben lassen. Sie waren auch vortrefflicher Laune, denn Californien hatte — was in der That nur wenige weiter von sich sagen konnten — ihre Erwartungen fast übertroffen, indem ihr gutes Glück sie gleich von allem Anfang an so reichhaltige Stellen finden ließ, daß sie schon, nach kaum sechsmonatlicher Arbeit, an den Heimweg denken konnten. Und die Gefahren der Reise? Bah! sie waren ihrer Sechs, Alle gut mit Revolvern und Messern bewaffnet, dabei kräftig, jung und gewandt. Da hätte schon ein starker Trupp Räuber dazu gehört, um sie mit Erfolg angreifen zu können und nicht mehr Blei als Gold zu bekommen. Sie würden auch wahrlich gar nicht mehr an die in Acapulco so zahlreich gehörten Räuber- und Mordgeschichten gedacht haben, hätte sie ihr Führer nicht immer und immer wieder auf’s Neue daran erinnert.
So schwer es im Anfang gewesen war, ihn zu dem Transport ihrer selbst und ihrer Sachen zu bewegen, so unsicher schien er sich jetzt zu fühlen, da sie weiter in das Land hineinrückten und die Straße einsamer und öder wurde. Eine Schreckensgeschichte nach der anderen erzählte er dabei von verübten Gräuelthaten, bis sich ihm selber die Haare auf dem Kopfe sträubten, und er würde die jungen Amerikaner vielleicht ebenfalls zu fürchten gemacht haben, hätten sie nur die Hälfte von dem, was er ihnen vorjammerte, verstanden. So aber, des Spanischen wenig mächtig, kümmerte sie die Schilderung dieser ungesetzlichen Handlungen nur sehr wenig, und erst als sie etwas weiter in die öde genug aussehenden Küstenberge hineinrückten, fingen sie an stiller zu werden und etwas mehr auf den Weg zu passen.
Die Scenerie war hier nichts weniger als freundlich und die Höhen der Kuppen lagen ziemlich kahl, nur mit einer Unmasse der verschiedenartigsten Kaktus- und aloëartigen Pflanzen bedeckt. Neigte sich der Weg aber in ein Thal hinab, so daß er in die Nähe irgend eines Baches kam, so zeigte sich niederes Gebüsch mit Weiden und lorbeerartigen Bäumen, das oft feste Dickichte bildete. Unangenehm blieb dabei, daß man nie eine längere Wegstrecke übersehen konnte, da die Straße fortwährend Biegungen machte, und allerdings bot eine derartige Gegend einem gesetzlosen Treiben den größten Vorschub.