Stieg man auf eine Höhe hinauf, so öffneten sich freilich die Büsche und der Blick konnte frei nach rechts und links hinüberstreifen, aber derartige Strecken dauerten nie lange, und enge Schluchten folgten dann wieder, in die man hinabsteigen, oder darin aufklettern mußte.

Hier begegneten sie nur selten einem Trupp Arrieros, die ihre beladenen Thiere der Hafenstadt zutrieben, und machten endlich in einem einzelnen Rancho Halt, wo sie aber schon einen Fremden einquartirt fanden.

Es war allem Anscheine nach ein Mexikaner, mit sonngebranntem Gesicht, schwarzem krausem Haar und Bart und dunklen, lebendigen Augen, aber dann auch jedenfalls der reicheren Klasse angehörend, denn er trug eine der feinsten, dort gebräuchlichen Serapes (der Poncho der Süd-Amerikaner) mit Goldfäden durchwirkt und von prachtvoller Weberei, die an den Seiten offenen Sammethosen mit silbernen Knöpfen besetzt, und eben solche Knöpfe an den Aermeln seiner kurzen Jacke, die manchmal sichtbar wurde, wenn er mit dem Arm unter dem Ueberwurf heraus kam, um das vor ihm stehende Glas mit Wein an die Lippen zu heben. Ein Panamá-Hut vom feinsten Geflecht lag neben ihm auf dem Tisch und seine gestickten Unterbeinkleider, die durch den Schlitz der oberen Hosen sichtbar waren, zeigten, daß er nicht allein den besten Stoff dazu gewählt, sondern auch auf Sauberkeit hielt. Selbst der kleine, zierliche, in Glanzlederstiefeln steckende Fuß paßte zu dem Allem und die nicht sehr großen, hübsch geformten Sporen von dunkler Bronce, die er dazu trug, hatten kleine Kugeln am Radträger befestigt, daß sie bei jeder Bewegung des Beins ein klingendes Getön gaben.

Sein Antlitz sah eher ernst als freundlich aus und um die Lippen spielte sogar, so weit es der Bart erkennen ließ, ein etwas spöttischer Zug, was aber auch wohl von einer schmalen Narbe herrühren konnte, die sich dort in den Bart, nach dem Mundwinkel zu, hineinzog.

Als die Fremden den offenen Rancho, in welchem sie übernachten wollten, betraten und mit einem buenos Dias grüßten, neigte er leicht und freundlich das Haupt, ohne ein Wort zu sagen, strich sich dann mit der feinen weißen Hand, an der ein großer Brillantring funkelte, den Bart bei Seite, und leerte das vor ihm stehende Glas.

Der Mexikaner indessen brachte den neuen Gästen ebenfalls Wein, mit dem besonders Peru und Chile die Westküste versehen, und versprach ihnen ein Abendbrod nach besten Kräften herzurichten. Viel gäbe es freilich nicht, wie er meinte, da die Passage auf der Straße im letzten Monat so stark gewesen und besonders erst gestern eine Abtheilung von Polizeisoldaten seinen Rancho verlassen habe, die hier acht Tage auf der Lauer gelegen, um ein paar berüchtigte Straßenräuber abzufassen. Uebrigens wolle er sehen, was er noch zusammenbringe, die Señores sollten schon zufrieden sein.

Die jungen Amerikaner machten in der That keine großen Ansprüche, und von dem warmen Ritt heute erschöpft verlangten sie viel eher nach einem kühlen Trunk, als nach anderen Lebensmitteln. Der Wein war aber vortrefflich und mundete ihnen ausgezeichnet, und die jungen Leute fühlten sich bald von dem ungewohnten Genuß erregt, und lachten und plauderten zusammen, ohne sich viel um den fremden „Señor“ zu bekümmern; verstand er ja doch ihre Sprache nicht, und sie die seine nur so unvollkommen, um eine wirkliche Unterhaltung unmöglich zu machen.

Natürlich interessirte sie aber dabei das besonders, was sie von der Polizeimacht gehört, denn es stand mit ihrer ferneren Reise in Verbindung und schien allerdings die Unsicherheit des Weges zu bestätigen. Sie erkundigten sich auch genau nach der Richtung, welche die Patrouille genommen, da sie ihr auf dem Wege nicht begegnet waren, und ob man in letzter Zeit etwas von neuen Raubanfällen auf der Straße gehört habe.

„Quien sabe, Señores,“ sagte der Wirth achselzuckend und mit einem vorsichtigen Blick auf seine bewaffneten Gäste, denn die Mexikaner waren unter sich schon lange darüber einig, daß die meisten dieser Raubanfälle jedenfalls von den Fremden selber ausgingen, und wer bürgte ihm dafür, daß er es hier nicht gerade mit einer solchen Gesellschaft zu thun hatte — weshalb erkundigten sie sich auch so eifrig nach der Polizei. — „Manche von den erzählten Geschichten ist wohl übertrieben und Caballeros, die so gut bewaffnet sind wie Sie selber, haben gewiß nicht das Geringste unterwegs zu fürchten.“