„Fürchten? Ach, wir fürchten auch nichts,“ lachte Einer der jungen Burschen, „und was wir sauer verdient haben, werden wir auch schon vertheidigen. Die Polizei muß aber den nämlichen Weg eingeschlagen haben, den wir gehen, sonst wären wir ihr doch unterwegs begegnet.“
„Quien sabe,“ erwiderte der Wirth auf’s Neue — „manchmal reiten die Herren auch nur eine Strecke in die Chaparal hinein, um bald an dieser, bald an jener Seite wieder aufzutauchen. Sie wollen natürlich nicht, daß man gewisse Kunde von ihnen erhält, wo sie sich befinden.“
Der Señor in der bunten Serape hatte dem Gespräch anscheinend vollkommen theilnahmlos zugehört, und dabei eine der kleinen Papiercigarren geraucht, die er sich selber drehte; jetzt warf er den Stumpf weg, hob noch einmal das wieder gefüllte Glas an seine Lippen und sagte dann, aber im reinsten Amerikanisch, daß sich die Reisenden überrascht nach ihm umsahen:
„Die Straßen hier in Mexiko, Landsleute, sind eben so sicher, wie bei uns daheim, und die Wenigen, die darauf beraubt wurden, hatten es sich gewiß in den meisten Fällen selber zuzuschreiben.“
„Alle Teufel, Ihr seid ein Amerikaner? Ich hielt Euch für einen der Señores aus dem Land hier,“ rief ein junger Illinoiser.
„Ich gehöre auch zu denen,“ lächelte der Fremde, „wenn ich freilich in Amerika geboren bin. Ich habe, eine Estancia in der Nähe von Puebla, wo ich mich nach dem Krieg niederließ und eine Landestochter heirathete. Deshalb darf ich mich auch wohl jetzt als Mexikaner betrachten.“
„Und wo geht Ihr jetzt hin, Fremder?“ fragte ein Anderer, „nach Acapulco?“
„Nein, ich komme von daher, und bin gerade im Begriff, nach Hause zurückzukehren.“
„Dann haben wir ja einen Weg, wie? und können zusammenreiten?“
„Gewiß, die Gesellschaft wäre mir allerdings willkommen,“ lächelte der mexikanisirte Amerikaner, „denn allein ist immer ein einsames und monotones Reisen.“