„Hurrah!“ lachte ein Anderer, „dann hat unsere kleine Truppe auch wieder Unterstützung bekommen, und Ihr könnt uns unterwegs auch dolmetschen, denn das verdammte Gibberich bricht mir bald die Zunge ab.“

„Mit dem größten Vergnügen,“ lächelte der Fremde, „wenn die Gentlemen mit meiner Gesellschaft zufrieden sind.“

„Zufrieden? caracho!“ lachte ein langer Hoosier aus Indiana, und es war dies das einzige und jedenfalls auch gleich das schlechteste Wort, das er aus der ganzen spanischen Sprache gelernt hatte; „sehr vergnügt sind wir darüber, Mate. Aber weshalb sitzt Ihr da noch an Eurem Tisch so allein? Rückt doch mit Eurem Wein zu uns herüber es ist gemüthlicher.“

Der fremde Landsmann ließ sich nicht lange bitten; mit großer Höflichkeit aber, die er sich jedenfalls unter den „Spaniolen“ angewöhnt haben mußte, denn den jungen Amerikanern war das förmliche Wesen vollkommen fremd, nahm er Flasche und Glas zu den Uebrigen hinüber und setzte sich mit den Worten „mit Eurer Erlaubniß, Señores,“ zu ihnen an den Tisch.

Das Gespräch wurde jetzt allgemein und erstreckte sich besonders auf das Land selber, das sie eben durchreisen wollten, und das ihr neu gewonnener Freund natürlich genau kennen mußte; gab er ihnen doch auch in der That jede nur gewünschte Auskunft.

„Und war er selber noch nicht in Californien gewesen?“

„Lieber Gott,“ schmunzelte er, „die Verführung ist allerdings groß genug, denn wenn man fast alle Tage arme Teufel dort hinüberpilgern, und dann mit goldgefüllten Beuteln zurückkehren sieht, prickelt’s Einem ordentlich in den Füßen und man möchte wohl selber einmal das fabelhafte Eldorado besuchen, aber — wer kann wider sein Schicksal ankämpfen. Wenn man erst selber Frau und Kinder hat, verbieten sich solche Reisen schon allein. Sollten Sie übrigens den kleinen Abstecher nicht scheuen und mir die Freude machen, mich auf meiner kleinen Hacienda zu besuchen, so würden Sie mir selber zugestehen müssen, daß ich nicht gut thun würde, ein solches Paradies zu verlassen, um in einem fremden, unwirthlichen Lande nach Gold zu graben.“ Er hatte, wie er hinzusetzte, sein Gold hier in Mexiko gefunden, und gäbe es nicht um alle Minen der ganzen Welt.

Es war indessen spät geworden, und die Leute suchten endlich ihr Lager, von dem sie aber schon mit Tagesanbruch ihr neu gefundener Reisegefährte weckte, da er ihnen die Morgenkühle als die beste und bequemste Zeit zu einem langen Ritte anrieth.

Es dauerte auch nicht lange, so waren die jungen Leute wieder im Sattel und bemerkten jetzt, daß ihr neu gefundener Landsmann einen prachtvollen schwarzen Rappen ritt, dessen Zaum und Sattelzeug mit Silber ordentlich bedeckt war. Es mußte jedenfalls ein sehr reicher und hier in Mexiko auch wohl vornehmer Herr sein; der Wirth war wenigstens außerordentlich devot gegen ihn, und sprang, als er in den Sattel steigen wollte, selber hinaus an sein Thier, um ihm den Steigbügel zu halten.

Und wie verstand er das feurige Pferd zu bändigen und zu regieren; es war eine ordentliche Freude, ihn da oben, auf dem ungeduldig tanzenden und courbettirenden Thier sitzen zu sehen. Es kostete ihm auch Mühe, das rastlose Roß der weit ruhigeren Gangart der Maulthiere anzupassen, und anfangs mußte er ihm in der That ein paar Mal den Zügel lassen, daß es wie ein von der Sehne geschnellter Pfeil mit ihm über die Straße dahin flog und das silberne Gebiß, wenn wieder eingezügelt, mit Schaum bedeckte. Endlich aber hatte es doch ausgetobt, oder der Reiter ließ ihm vielmehr nicht länger seinen freien Willen, daß es sich jetzt, geduldig wie ein Lamm, ihm fügte. Aber auch die Maulthiere waren durch die Gesellschaft des lebendigen Kameraden angeregt, und trabten weit rascher aus, als sie es gestern gethan, so daß sie ziemlich schnell von der Stelle rückten.