Der Fremde schien sich dabei aber, während er ihnen am vorigen Abend Alles bereitwillig erzählt, was er selber von Mexiko wußte, heute so viel mehr für Californien zu interessiren, und ließ sich ununterbrochen von dort erzählen. Besonders neugierig war er auf die Art der Minenarbeiten und was wohl ein Mann dort verdienen könne — was sie z. B. dort verdient hätten, und ob es denn wirklich so harte und schwere Arbeit wäre.

Die jungen Burschen plauderten auch von der Leber weg. Ihr Landsmann in seinem prachtvollen fremdländischen Aufzug hatte ihnen imponirt; seine cordiale und doch so höfliche Weise, mit ihnen umzugehen, bestach sie noch mehr, und kaum zwei Stunden mochten sie unterwegs sein, als sie ihm Alles anvertraut hatten, was sie selber wußten, ja ihn sogar um Rath für ihr künftiges Leben fragten: Was sie nämlich mit dem gewonnenen Golde anfangen sollten, und ob er es nicht am Ende für rathsam hielt, daß sie gar nicht gleich nach den Staaten zurückkehren, sondern lieber hier in Mexiko irgend etwas beginnen sollten.

Er hielt das allerdings einer weiteren Ueberlegung werth, mußte aber freilich dazu wissen, was ihre eigentlichen Beschäftigungen waren; und wie viel Mittel sie in Händen hielten. Das auch theilten sie ihm aufrichtig mit, und er lud sie jetzt nochmals ein, sämmtlich einmal ein paar Tage auf seiner Hacienda zuzubringen, und sich das Farmerleben Mexiko’s erst ordentlich anzusehen; nachher könnten sie ja so viel leichter einen allerdings wichtigen Entschluß über ihre künftigen Pläne fassen.

Das war eine neue Aussicht für das junge Volk, denn wenn ihnen auch die bisher gesehene Scenerie nicht besonders gefiel, so gab ihnen doch der Fremde, der sich kurzweg Brown nannte, eine so glühende Schilderung von dem inneren Land und seinen Schönheiten, von der Leichtigkeit, mit der man hier sein Fortkommen finden und Geld verdienen könne, von den liebenswürdigen Eigenschaften der spanischen Race und von den reizenden Mädchen, die sie überall treffen würden, und die eine besondere Vorliebe für estrangeros hätten, daß sie schon halb und halb mit sich einig waren, ehe sie nur einmal den Hauptplatz gesehen, dies Land auch nicht so rasch wieder zu verlassen, als es Anfangs ihre Absicht gewesen.

So mochten sie etwa vier Stunden mitsammen geritten sein, und die Sonne fing schon an ziemlich scharf auf ihre Köpfe niederzubrennen, als sie eine kleine schattige Thalschlucht erreichten, durch welche ein klarer, murmelnder Quell rieselte. Ein einladenderer Platz zu einem Haltepunkt hatte sich noch nicht auf der ganzen Reise geboten, und Browns Vorschlag, hier von den mitgenommenen Provisionen zu frühstücken, wurde mit Jubel begrüßt.

Die Stelle selber schien auch eine gewöhnliche Station für des Weges kommende Wanderer zu sein, denn an verschiedenen Orten bemerkten sie die Feuerplätze anderer Caravanen, die sich bald da, bald dort im Grünen niedergelassen und im Schatten der dichten Lorbeerbüsche die heiße Mittagszeit verträumt haben mochten. Es wurde deshalb augenblicklich Halt gemacht, und während die Amerikaner ihre Reise- oder Satteltaschen, in welchen sich die erworbenen Schätze befanden, zusammentrugen und auf einen Haufen legten, entzündete der Eigenthümer der Maulthiere, der auch für diese unterwegs zu sorgen hatte, rasch ein Feuer und nahm dann seinen Thieren Sattel und Gebiß ab, damit sie selber in dem saftigen Gras weiden konnten.

Dort, auf dem weichen Rasen, wurde nun ausgepackt, was Jeder mitgebracht hatte, und Brown selber holte aus seinen Satteltaschen ein paar Flaschen alten Brandy hervor, den die jungen Leute mit Jubel begrüßten. Sie sprachen auch dem Brandy wacker zu, und achteten gar nicht darauf, daß ihr neuer Bekannter, der seinen eigenen silbernen Becher bei sich führte, sich selber nur zum Schein einschenkte und so that, als ob er tränke; wie hätten sie ihn auch irgend einer tückischen Handlung für fähig halten sollen.

Während sie noch so lagen und lachten und erzählten, kam ein Reiter vorübergesprengt — ein Mexikaner — zügelte einen Augenblick sein Pferd ein und nickte lachend, als Brown ihm einen Schluck „agua ardiente“ bot. Der Amerikaner ging auch selber zu ihm hinüber und reichte es ihm auf’s Pferd und der Bursche hob es dankend an die Lippen.

„Alle bereit?“ flüsterte er ihm aber dabei mit leiser Stimme zu.