„Alle, Señor,“ sagte der Mexikaner, indem er den Becher zurückgab, und dann, als ob er selber keine Zeit habe, sich aufzuhalten, setzte er seinem Pferde wieder die Sporen ein und verfolgte seinen Weg nach Acapulco zu.

Den Amerikanern wurden die Augen schwer; die Sonne brannte gar so sehr; der Brandy war so stark gewesen — die ungewohnte Anstrengung, auch das monotone Rauschen des kleinen Bergwassers: — sie fingen an einzuschlafen. — Der Arriero war drinnen im Busch bei seinen Maulthieren, da sich die Thiere mehr und mehr in das Dickicht gezogen hatten. — Nur das Pferd des Fremden stand gleich unterhalb der Stelle, an der sie lagerten, den Zügel übergehangen, unmittelbar am Bach, um dort das süße Gras abzuweiden.

Durch die Büsche schlichen eine Anzahl dunkler Gestalten — vorsichtig und leise, und jedes Geräusch, jedes Knacken eines dürren Zweiges ängstlich vermeidend. Der Amerikaner Brown stand, seine Serape jetzt über die rechte Schulter zurückgeschlagen, einen gespannten sechsläufigen Revolver in der Hand, mitten zwischen den Schläfern. Die unheimlichen Gestalten krochen in’s Freie — es waren meist dunkle, mexikanische Gesichter, aber Einzelne auch von lichterer Farbe, und vielleicht einem andern Land angehörend — zwischen ihnen der nämliche Bursche, der vorher den Platz passirt hatte. Wie Geister glitten sie aus dem Dickicht hervor — es waren acht Männer — Brown winkte sie zu den vier Amerikanern hin, die etwas abseit lagen, und sagte dann mit ruhiger, fast tonloser Stimme:

„An die Arbeit, meine Burschen!“

Zu gleicher Zeit bog er sich zu den beiden, ihm nächsten Schläfern nieder, und rasch nach einander krachten zwei kurze, scharfe Revolverschüsse durch den stillen Wald, jede Kugel das Hirn eines der Unglücklichen zerschmetternd — der Dritte sprang erschreckt empor — Brown feuerte auch auf ihn, aber fehlte. Der arme Teufel, das Entsetzliche seiner Lage ahnend, aber noch immer nicht begreifend, suchte nach der eigenen Waffe, da trafen ihn rasch hinter einander zwei Kugeln, und er brach stöhnend in seine Kniee.

Indessen hatten sich die Räuber auf die anderen drei geworfen, die sie aber kaum im Stande waren zu bezwingen, bis der Fremde auch mit seiner letzten Kugel den Schädel des Einen zerschmetterte. Die anderen Beiden warfen sie, in ihrer Uebermacht, zurück auf den Boden und hielten sie dort.

„Jetzt fort mit den Satteltaschen, zwei von Euch,“ sagte Brown, indem er kaltblütig daran ging, seinen Revolver wieder zu laden, „schafft sie in den Busch, wenn wir etwa gestört werden sollten. Sind Eure Thiere bereit?“

„Si, Señor — Alles in Ordnung,“ lachten die Burschen.

„Mörderische Bestie!“ schrie da der lange Indiana-Mann, indem er sich unter dem Griff der Mexikaner wand — „nichtswürdiger Hund von einem Dieb! war das Deine Freundschaft? bist Du ein Amerikaner?“