„Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, Gentleman,“ sagte der Mörder mit furchtbarer Ruhe, „ich habe gleich wieder geladen und werde Sie dann ebenfalls bedienen. — Fort mit den Taschen, ihr Burschen, haut den Gesellen indeß ein paar über den Kopf, damit sie ruhig liegen — ich fertige sie nachher ab.“
Diesem Befehl wurde blitzschnell gehorcht und ein paar Säbelhiebe trafen die so schon Wehrlosen, daß sie betäubt zusammen brachen. Im Nu hatten die Räuber dann die werthvollen Taschen aufgegriffen und sonst auch noch die Erschlagenen bis auf das Letzte geplündert, als plötzlich Hufgeklapper auf der Straße laut wurde.
„Alle Teufel!“ brummte der Amerikaner vor sich hin, „sollten wir Besuch bekommen? Fort mit Euch in Euer Versteck — und verpaßt nicht, den Pfad zu decken — fort.“
Scheu und erschreckt glitten die Räuber in das Dickicht, um den Raub zu bergen, und Brown, von seinen Opfern forttretend, ging ein paar Schritt auf der Straße hinaus, um die nächste Biegung derselben besser übersehen und hinaushorchen zu können. Aber sein scharfes Ohr hatte ihn nicht getäuscht — in voller Carriere sprengte ein Trupp mexikanischer Uhlanen die Straße entlang — gerade auf die Stelle zu.
„Teufel!“ rief Brown ingrimmig, zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch, aber es blieb ihm auch keine Secunde zum Ueberlegen. Mit zwei Sätzen war er neben seinem Pferde und hatte dort wahrlich kaum Zeit, ihm nur die Zügel überzuwerfen. Die Hufe donnerten heran — die am besten berittenen Cavalleristen hatten schon fast den Platz erreicht, als er, im Sattel, auf die Lichtung sprengte. Wie unwillkürlich hob er dabei den Revolver, um ihn auf die Feinde abzufeuern, aber das Nutzlose eines solchen Angriffs im Nu fühlend, warf er sein wackeres Thier herum, und wie es nur die Sporen fühlte, flog es auch wie ein Pfeil die Straße hinab.
„Halt! Caracho!“ hörte er die Schreie hinter sich, und die Uhlanen, in dem Flüchtigen mit Recht einen der gesuchten Räuber vermuthend, trieben ihre Thiere in wildem, jubelndem Ingrimm hinter ihm drein — wie hätte ihnen Jemand zu Pferd entgehen können. — Aber dem Rappen waren sie trotzdem nicht gewachsen. Anfangs schien es zwar, als ob sie gleiche Distance mit ihm hielten, ja an ihr gewönnen, denn Brown hatte sein Thier absichtlich eingezügelt, um sie in dieser Meinung zu halten, und seinen Helfershelfern so viel mehr Zeit zu gönnen, sich aus dem Bereich jeder Entdeckung zu bringen. Wie er aber nur erst einmal die Entfernung für groß genug hielt, ließ er dem Rappen den Zügel, und mit Gedankenschnelle trug ihn das flüchtige Roß aus dem Bereich der Feinde.
Damit freilich erreichte er, was er gewollt. Die größte Zahl des aus zwanzig Mann bestehenden Uhlanentrupps hatte der Versuchung nicht widerstehen können, den gebotenen Wettlauf anzunehmen, und erst als sie das völlig Nutzlose einer weiteren Verfolgung sahen, warfen sie fluchend ihre erschöpften Thiere herum und galoppirten langsam den eben so rasch verfolgten Weg zurück, um sich den Kameraden wieder anzuschließen. Der Offizier der Truppe zügelte aber, mit fünf und sechs der Seinen, als er den Schauplatz des Blutbades erreichte, sein Pferd ein und war aus dem Sattel gesprungen, um die Ermordeten zu besichtigen und zu sehen, ob sich von da keine weiteren Spuren fänden.
Er ließ auch seine Leute, ohne sich erst lange bei den Todten aufzuhalten, augenblicklich absitzen und den Busch nach allen Seiten durchstreifen, und dort entdeckten sie allerdings bald einen betretenen Pfad, der in den Wald hineinführte, gerade aber wo er in das Dickicht mündete, war ein riesiger Kaktusstamm — allerdings frisch abgehauen, mitten hineingeworfen, und bis sie den zerhacken und aus dem Weg ziehen konnten, da sie nicht wagen durften, mit den Händen in die langen Stacheln zu greifen, verging viel Zeit.
Die zurückkehrenden Uhlanen wurden nun freilich beordert, den aufgefundenen Fährten ohne Weiteres zu folgen, um doch wenigstens Einen oder den Anderen der Bande zu fassen und ihn nachher zu einem Geständniß zu bringen, aber alle ihre Mühe war umsonst. Gar nicht weit von dort zweigte der Pfad wieder, einen Hügel hinanlaufend, in die dichte Chaparal aus; dabei war der Boden dort zu hart und steinig, um noch eine Spur erkennen zu können, und als sich auch die Sonne mehr und mehr dem Horizont neigte, mußten sie endlich die Verfolgung der Verbrecher aufgeben.