Der Offizier hatte indessen die blutenden Körper aufheben und untersuchen lassen, auch von dem nun herbeikommenden Arriero das Nähere über die Unglücklichen erfahren und eine genaue Beschreibung des Fremden erhalten, der sich ihnen zugesellte. Und dem gerade war er auf der Spur gewesen, denn von einem Streifzug mit den Seinen zu dem Rancho zurückkehrend, wo die Amerikaner übernachtet, hörte er schon von dem Wirth dort, der ihn wahrscheinlich genauer kannte, als er eingestehen mochte, welchen gefährlichen Reisebegleiter die Fremden gefunden, und war ihnen dann mit den Seinen, so rasch sie die Pferde trugen — gefolgt — leider aber auch zu spät eingetroffen, um die Unthat und den Raub zu verhindern.
Uebrigens zeigten sich noch bei Zweien der Armen Spuren einer Lebensthätigkeit. Vier waren rettungslos verloren; drei hatten die Schußwunde gerade durch das Hirn erhalten, und der Vierte eine Kugel durch die Lunge, eine andere durch die Kehle. Er röchelte allerdings noch, als der Offizier zu ihm trat, aber es war auch das letzte Lebenszeichen gewesen, das er gab. Im nächsten Augenblick streckte er sich aus — ein Zittern flog über seinen Körper — er war todt.
Zwei aber hatten nur Säbelhiebe über den Kopf bekommen, und wenn auch die Wunden bös genug aussahen, war doch Hoffnung da, sie vielleicht wieder herzustellen. Der Offizier sorgte auch wirklich auf das Wackerste für sie. Acht von seinen Uhlanen mußten absitzen und zwei Tragbahren herrichten, zwischen deren Stangen ein bequemes Lager durch die Satteldecken hergerichtet wurde. So trug man sie dem nächsten Rancho zu. Bei den Leichen sollte der Arriero zurückbleiben, bis Leute mit Werkzeug hingesandt werden konnten, um sie an Ort und Stelle zu beerdigen. Was hätte es genützt, die Cadaver noch zu transportiren.
Lange lagen die beiden armen Teufel — der Indiana-Mann und sein Freund, der Illinoiser — auch zwischen Leben und Sterben, auf das Sorglichste aber von den gutmüthigen Mexikanern gepflegt. Besonders der Erstere, Hudson, ein junger, kräftiger Gesell, phantasirte Wochen hindurch im heftigsten Wundfieber und es mußte Hülfe vom nächsten Rancho herbeigeholt werden, um ihn nur auf seinem Lager zu halten. Endlich brach sich die Krankheit auch bei ihm, während sein Kamerad schon lange wieder aufsitzen konnte und auf dem Weg der Besserung war.
Es war jetzt möglich, sie nach Acapulco zu transportiren, und schon an Ort und Stelle, wie später in der Hafenstadt, mußten sie ihre Aussagen des Ueberfalls wie der vorhergehenden Stunden machen. Aber wenn sie auch den Mörder, den das Gericht übrigens zu kennen schien, auf das Genaueste beschrieben, waren sie doch nicht im Stande, Näheres über den Anfall selber auszusagen. Durch die Revolverschüsse aus dem, einer Betäubung ähnlichen Schlaf geweckt, denn jedenfalls war der getrunkene Brandy mit irgend einem schädlichen Stoff gemischt gewesen, fanden sie sich in den Händen der Räuber, sahen nur, wie jener Mann, der sich Brown genannt, noch einen ihrer Kameraden niederschoß, und wurden dann selber, ebenfalls auf seinen Befehl, von den übrigen Mördern niedergehauen.
Daß man sie dabei all ihres Goldes beraubt hatte, verstand sich von selbst, und es wäre verlorene Mühe gewesen, danach zu suchen. Die Behörden dachten ebensowenig daran, sie zu entschädigen, noch dazu da gar kein Zweifel blieb, daß sogar ein Landsmann, also ein Fremder, sie beraubt hatte. Nach allen Seiten wurden allerdings Patrouillen ausgesandt, um den sehr kenntlichen Burschen einzufangen, oder wenigstens seinen jetzigen Aufenthalt zu erspähen, und hunderte von Polizeispionen waren nach jeder Richtung hin thätig. Umsonst; er schien nach dieser letzten Unthat, bei der ihn die Vergeltung auch fast ereilt hätte, den Schauplatz seiner bisherigen Verbrechen verlassen zu haben — hatte er hier doch auch lange genug ungestraft gesündigt, und alle ausgesandten Boten kehrten mit der nämlichen Nachricht zurück, daß er in keinem Theile des weiten Reiches mehr gesehen worden.
Die armen Teufel von Amerikanern befanden sich indessen in einer keineswegs beneidenswerthen Lage, denn was sollten sie nun, ihres ganzen Eigenthums beraubt, anfangen? Nach den Staaten zurückkehren, wie es Anfangs ihre Absicht gewesen — ohne einen Cent in der Tasche, und dort das mühselige Leben schwerer Arbeit von Neuem beginnen? Ja sie hatten nicht einmal Geld genug, die Reise dorthin zu bestreiten, wenn auch die Regierung hier in Acapulco wenigstens für ihren Unterhalt sorgte, und sie keine Noth leiden ließ.
Da legte zufällig ein amerikanisches und nach San Francisco bestimmtes Fahrzeug dort an, das von New-York kam und wegen Wassermangel genöthigt gewesen war, einen Hafen zu suchen. Der Capitain hörte ihre Leidensgeschichte und erbot sich freundlich, sie kostenfrei zurück nach Californien mitzunehmen. Dort konnten sie dann schon eher, wenn sie wirklich heimkehren wollten, ein amerikanisches Schiff finden, oder auch noch vielleicht eine Weile in den Minen arbeiten, um wenigstens einen Theil des Verlorenen zu ersetzen.
Den Vorschlag nahmen sie auch mit Freuden an und hatten nun die Aussicht, da wieder von vorn beginnen zu müssen, wo sie sich schon am Ziel ihrer Wünsche gesehen. Aber Californien war ja auch das Land der Hoffnungen, und doch lieber noch einmal arbeiten, als mit leeren Händen nach den Staaten zurückzukehren. Außerdem that ihnen die kurze Seereise körperlich wohl; ihre, doch sehr angegriffenen Nerven kräftigten sich wieder, und als sie endlich in San Francisco an’s Land sprangen, war ihnen von den erhaltenen Wunden nur noch die Erinnerung — und die Narbe geblieben.