War denn dem „Alten“ sein Geburtstag? Gott bewahre, der fiel ja in den Februar und der der Frau Försterin war im März, und wann die alte Lisei geboren sei, wußte Niemand, da sie den Tag vergessen hatte, und er selber war in der Neujahrsnacht zur Welt gekommen.

Und wie förmlich sich die Frau Försterin vor ihm verneigte, als er in’s Zimmer trat; es wurde ihm ordentlich unheimlich zu Muthe. Irgend etwas mußte vorgefallen sein, aber er fühlte sich gerade nicht in der Stimmung, einen „festlichen Abend“ zu verleben, und wollte sich eben still in seine Ecke hinter dem Ofen drücken, als ihm Buschmann den Weg vertrat, seine Hand ergriff und mit feierlicher Stimme sagte: „Herr Förster Raischbach, es freut mich unmenschlich, daß Sie überhaupt heute Abend noch nach Hause gekommen sind.“

„Guten Abend, Herr Förster!“ sagte jetzt auch die alte Frau mit tausend freundlichen Runzeln über ihr gutes Gesicht und reichte ihm die Hand, und „guten Abend, Herr Förster!“ wiederholte die alte Lisei und machte einen tiefen, ehrfurchtsvollen Knix.

Raischbach sah sie Alle der Reihe nach erstaunt an und würde es nicht um eine Idee wunderbarer gefunden haben, wenn in dem Moment die Thür aufgegangen und Graf Hackelnberg, der wilde Jäger, ebenfalls hereingetreten wäre und gesagt hätte: „Guten Abend, Herr Förster, wie befinden Sie sich?“ Ueberhaupt waren ihm in der letzten Zeit so wirre und wilde Bilder durch den Sinn gegangen, daß er Traum und Wachen kaum von einander unterscheiden konnte, und er mochte auch wohl bei der Anrede ein ganz verzweifelt verdutztes Gesicht gemacht haben, denn der alte Förster lachte laut auf und rief: „Nun, mein lieber Herr Förster, Sie sehen ja gerade so verdutzt aus wie ein Hirsch, der gegen das Zeug anrennt und nicht daraus klug werden kann, was ihm da auf einmal im Weg steht. Sie glauben’s am Ende gar nicht?“

„Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch glauben soll,“ sagte Raischbach endlich, — „aber warum nennen Sie mich denn alle ‚Herr Förster‘, als ob ich im Wald draußen umgewechselt wäre?“

„Sind Sie auch,“ lachte der Alte, „sind Sie auch, mein lieber Herr Förster — rein umgewechselt oder aus der Puppe gekrochen, denn aus dem Forstgehülfen ist plötzlich, mit Hülfe dieses kleinen Stückes Papier, ein stattlicher Förster ausgekrochen, den ich von jetzt an ‚Herr Kollege‘ nennen kann.“ Und damit hielt der alte Jäger Raischbach einen großgesiegelten Brief vor, auf dem mit klaren deutlichen Worten stand:

Sr. Wohlgeboren
dem Herrn Förster Bernhard Raischbach.

Jetzt ließ sich aber die Frau Försterin nicht mehr länger halten, sondern gratulirte mit herzlichen Worten dem jungen Manne zu seiner so wohlverdienten Beförderung. Auch Buschmann selber holte ein erhaltenes Schreiben vor — denn der Brief an den neuen Förster war in dieses eingeschlossen gewesen — und las ihm daraus eine Stelle des Oberforstamts vor, in welchem sich die Herren sehr günstig über die von Raischbach bewiesene Thätigkeit und dessen persönlichen Muth den Wilderern gegenüber aussprachen und ihm deßhalb, in Anerkennung seiner Verdienste, die Beförderung zusandten.

Aber die alte Lisei mahnte, daß der Kaffee ganz kalt würde, wenn sich die „Leutchen“ nun nicht bald zu Tisch setzten, und die Frau Försterin fuhr auch gleich geschäftig in der Stube herum, rückte die Stühle zurecht, klirrte mit den Tassen und schenkte ein, so daß an ein längeres Zögern nicht zu denken war.

Allerdings that es den alten Leuten wohl leid, daß sie den jungen wackern Mann jetzt bald verlieren sollten, denn mit dem neuen Rang verstand es sich auch von selbst, daß er eine eigene Forstei bekam, aber das war ja doch nicht zu ändern, und seinem Glück mochten sie nicht einmal mit einem Wunsche im Wege stehen.