Der Schulze ließ überrascht die Hand des Kindes los und drehte sich nach der Stimme um, erkannte aber nur den alten Bänkelsänger, der freilich mit einem, wahrscheinlich draußen aufgegriffenen Stück Buchen-Stangenholz auf ihn zuschritt und seiner ganzen Erscheinung nach fast so aussah, als ob er über den Schulzen herfallen möchte.
„Na?“ rief dieser, ihn halb erschreckt, aber auch erstaunt ansehend, „habt Ihr Euch etwa um das zu kümmern, was ich thue? Was wollt Ihr hier?“
„Ah, Sie sind’s, Herr Schulze“, sagte der Mann, ohne indessen den Knüppel, den er in der Hand trug, fortzulegen, „bitte tausend Mal um Entschuldigung, wenn ich gestört haben sollte, aber mir war’s, als ob ich die Falleri schreien hörte, und wer Der was thut, dem schlage ich den Schädel zu Brei zusammen.“
„So, und was geht Euch die Falleri an, wenn ich fragen darf?“
„Was sie mich angeht?“, lachte der Alte ingrimmig vor sich hin — „hat sie vielleicht Jemand Anderen, den sie was angeht, auf der Welt? Aber was gibt’s denn, Falleri — Teufel noch einmal, Kind, wie blaß Du aussiehst — bist Du unartig gewesen?“
„Den Ring und das Kreuz meiner seligen Mutter will mir der Schulze wegnehmen, um mir ein Kleid davon zu kaufen“, stöhnte das Kind.
„Ih, sieh mal an“, sagte der Bänkelsänger lachend, „was Du Dir für Sachen in den Kopf setz’st, Schatz; der Schulze Dir die Goldsachen von Deiner Mutter selig mit Gewalt wegnehmen wollen? Du bist wohl nicht recht klug im Kopfe. Das fällt ihm doch gar nicht ein.“
„Mit Gewalt hab’ ich’s ihr auch nicht wegnehmen wollen“, sagte der Schulze mürrisch, denn die Sache wurde ihm selbst unangenehm, „aber sie soll’s hergeben, damit sie anständig in der Kirche erscheinen kann.“
„Aha“, nickte der alte Bänkelsänger vergnügt vor sich hin, „der Andern wegen, damit sich die der armen Falleri nicht zu schämen brauchen. Ja wohl, Herr Schulze, verstehen das — auf die Falleri käm’s weniger an. — Aber, wie viel Geld hat sie denn wohl zu einer neuen Fahne nöthig? — natürlich mit Spitzen besetzt und Manschetten und wie die Dinger alle heißen, auch eine Schleppe hinten dran, damit sie das Dorf hübsch rein hält, wie die großen Damen in der Stadt.“