„Und was habt Ihr darnach zu fragen?“ erwiderte mürrisch der Schulze — „Ihr gebt’s ihr doch nicht.“

„Na, wer weiß“, lachte der Alte ingrimmig in sich hinein, „ich selber hab’s allerdings nicht, sonst säß’ ich wo anders als in der — gesegneten Bude hier; aber gute Menschen gibt’s überall — seelensgute Menschen, Herr Schulze, das kann ich Sie versichern, und ich treib’s für das Mädel auf — wenn ich nur erst weiß, wieviel es ist, denn die Gemeinde soll das nicht zu zahlen haben.“

Ihr wollt das Geld schaffen?“ sagte der Schulze und sah den Alten mistrauisch an. „Hört einmal, Brenner, Ihr habt überhaupt immer Geld, und ich möchte eigentlich wohl wissen, wo Ihr das her kriegt, denn betteln dürft Ihr nicht, und —“

„Stehlen ist vollends nicht gestattet“, lachte der alte Bänkelsänger laut auf, „aber beruhigen Sie sich, Herr Schulze, die paar Groschen, die ich dann und wann auftreibe, kann ich mir auch wohl noch einmal gelegentlich verdienen. Wissen Sie, ich habe einen Herrn in der Stadt, dem gebe ich Gesangunterricht, und wenn ich auch gerade keinen Louisdor für die Stunde kriege, etwas fällt doch immer ab, und vielleicht zahlt mir Der auch das Geld für die Falleri als Vorschuß.“

„Und wie heißt Der?“ frug der Schulze, der kein Wort von der ganzen Sache glaubte.

„Darf ich nicht sagen“, erwiderte verschmitzt lächelnd der Alte; „es ist ein vornehmer Herr, der heimlich zum Theater gehen will und es nicht vor der Zeit verrathen mag. Aber ich schaffe das Geld, und weiter wollen Sie ja doch nichts. — Muß nur vorher wissen, wie viel es ungefähr ist, damit ich nicht zu wenig bringe.“

„Hm“, sagte der Schulze, allerdings nicht von der Persönlichkeit erbaut, mit der er hier unterhandeln sollte, „Den möchte ich doch kennen, Brenner, der Euch Geld borgt, denn Der gehörte jedenfalls dahin, wohin wir neulich den Schuster geschafft haben. Aber wenn’s wirklich einen solchen Narren giebt, so holt vier Thaler von ihm, denn die brauchen wir. Die Falleri muß ganz neu gekleidet werden, bis auf Strümpfe und Schuhe hinunter, und wenn wir auch Alles alt kaufen können, läuft’s doch dahin jedenfalls auf.“

„So?“ lachte der Bänkelsänger, „also mit alten Sachen wollen Sie die Falleri neu kleiden. Na meinetwegen, wenn’s der Gemeinde recht ist, ich habe nichts dawider. Und bis wann muß das Geld da sein?“

„Spätestens bis morgen Abend, denn heute über acht Tage ist schon Grüner Donnerstag.“

„Alle Wetter“, lachte der Alte, „das ist kurzer Kredit; aber es kann nichts helfen; die Zeit ist wirklich nicht mehr lang, und die Tage fliegen nur so, wenn man alt wird.“