„Nein,“ erwiderte der ältliche Herr lächelnd — „ein Türke bin ich allerdings nicht, sondern ein Christ.“

„Mit drei Frauen?“

„Wir gehören zur Secte der Mormonen,“ nickte Herr Olaf, „und kommen vom Salzsee, wohin wir gerade im Begriffe sind, wieder zurückzukehren. Liebe Elise, der Wagen hält schon vor der Thüre und das Gepäck ist sämmtlich unten.“

„Mormonen!“ stöhnte Florian vollkommen vernichtet.

„Daß uns hier Nichts daran lag, als solche gekannt zu sein, können Sie sich denken,“ fuhr der ältliche Herr fort, „und ich hatte nicht das Geringste dagegen, daß meine jüngste Frau für meine Tochter galt. Uebrigens kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß es mich und uns Alle herzlich gefreut hat, Sie kennen zu lernen. Sollten Sie jemals unsere Ansiedlung am Salzsee, an der anderen Seite der Cordilleren, besuchen, so werden wir Ihnen beweisen können, wie willkommen Sie uns sind.“

„Gnädiger Herr, der Zug ist schon signalisirt,“ meldete in diesem Augenblicke der eintretende Diener, „die Damen warten unten.“

„Leben Sie wohl, lieber Freund,“ sagte Olaf, ihm die Hand entgegenstreckend und Elisens Arm nehmend, „und bewahren Sie uns ein freundliches Andenken.“

„Leben Sie wohl, Herr Heldenstern,“ flüsterte auch Elise und reichte ihm ihre kleine Hand.

Er nahm sie wie in einem Traum und drückte sie an seine Lippen, dann sah er, wie die Personen verschwanden und hörte, wie unten der Wagen fortrollte. Er wollte ihnen nach, aber er vermochte keinen Fuß zu regen und stand da, willenlos und wie gebannt, allein mitten im „Panorama.“

Doch nicht lange dauerte dieser Zauber, den er endlich gewaltsam von sich abschüttelte. Jetzt stürmte er die Treppe hinab und dem Bahnhof zu — was er dort wollte, wußte er freilich selber nicht, denn welche Gewalt stand ihm über die Frau eines Anderen zu. Aber er kam auch zu spät; wie er flüchtigen Laufes der nahen Station zueilte, pfiff die Locomotive und der Zug brauste davon. Nur aus einem Coupé erster Classe erkannte er noch ein weißes wehendes Taschentuch.