„Du lieber Gott“, sagte Brenner ordentlich erschreckt, als ihm der Fremde zwei Goldstücke auf das Bett warf — „das ist zu viel, das — das kann ich gar nicht mehr durchbringen.“ — Ehe er ihm aber nur ordentlich danken konnte, war der junge Mann schon zum Zimmer hinaus und auf seinem Weg zum Gasthof, wo er die indessen langsam vorangegangene alte Dame noch einholte und mit ihr im eifrigen Gespräch auf- und abschritt, bis der Kutscher wieder eingespannt hatte, und jetzt im scharfen Trab der Stadt zufuhr.

Neuntes Kapitel.
Der Besuch im Zuchthaus.

Der junge Offizier schien auch wirklich nicht viel Zeit versäumt zu haben, denn noch am nämlichen Abend, lange vor Dunkelwerden, rasselte eine Extrapost durch Osterhagen durch, hielt sich aber gar nicht am Gasthof auf, obgleich der Postillon einen sehnsüchtigen Blick hinüber warf, sondern passirte im scharfen Trabe das Dorf und hielt erst vor dem Gemeinde-Armenhaus, sehr zum Erstaunen der Dorfbewohner und Insassen des Hauses selber — nur nicht des alten Brenner, der recht gut wußte, was das zu bedeuten habe.

In dem Fond des Wagens saß der Medizinalrath aus der Stadt mit dem alten Assessor Buntenfeld, auf dem Rücksitz ein junger Beamter mit einem Stoß Papier und seinem Schreibzeug in der Tasche, und der Offizier.

Wie der Wagen hielt, wollte die alte Frau Kunze die Honneurs machen, wurde aber gleich bei Seite geschoben und beordert, die Herren nicht zu stören, die sich dann auch ohne Weiteres in das Zimmer des Kranken begaben.

Der Arzt, der ihn vor allen Dingen untersuchte, schüttelte allerdings mit dem Kopf und meinte: der Kranke sei falsch behandelt worden, denn Schröpfköpfe würden ihm allerdings wenig helfen, da er an einem schon sehr vorgeschrittenen Magenkrebs leide. Brenner aber lachte bitter vor sich hin und sagte:

„Falsch bin ich nicht behandelt worden, Herr Doctor, mein ganzes Leben lang, aber schlecht; das war der Fehler — Den Taschenkrebs habe ich schon von Jugend auf gehabt, und daß sich der endlich in den Magen gefressen hat, ist eben kein großes Wunder — das Quartier stand gewöhnlich leer. Aber desto besser, wenn’s zu Ende geht, so hört die Schinderei doch einmal auf, denn ich hab’s gerade lange genug ertragen.“

„Und Ihr habt mir etwas mitzutheilen, Brenner?“ frug der Assessor, der die Zeit nicht gern versäumen wollte. „Können wir damit beginnen?“

„Setzen Sie sich dahin, Herr Assessor“, sagte der Alte; „einen Tisch haben wir hier freilich nicht — in der Küche steht nur einer, doch den bringen wir nicht durch die Thür — der Herr Aktuar muß auf den Knien schreiben — ich werde auch nicht weitläufig sein, denn was mein früheres Leben betrifft, so geht das Niemanden mehr etwas an.“

„Und Ihr wollt die Wahrheit sprechen?“