„Und nun?“
„Damals war ich noch gesund“, fuhr der Alte fort, „und dachte auch, die Falleri hätt’s eigentlich im Zuchthaus noch besser als draußen, wo sie von aller Welt herumgestoßen und mißhandelt wurde. Jetzt aber, wo’s zu Ende geht, und ich die elende Zeit hatte, zu grübeln und immer nur zu grübeln, da sind mir andere Gedanken gekommen. Die Falleri hat’s nicht gethan — sie kann’s nicht gethan haben, und wegen meiner sitzt sie jetzt hinter den eisernen Gittern und spinnt Wolle.“
„Und wenn sie es nun doch mit gewesen wäre?“
„Nein, — es ist nicht möglich, sag’ ich“, rief der Alte, „gleich auf frischer That ja, aber nicht mehr, wo sie erst bei ihrer Mutter selig auf dem Kirchhof gewesen — und dann hätten zwei Stunden darüber vergehen müssen, ehe es angebrannt wäre, und das thut’s nicht draußen in der Luft — entweder es geht an oder aus. Sie kann’s versucht haben, aber ihres ist nicht angegangen, und der Brandstifter liegt hier und härmt sich die Seele aus dem Leibe. — So — jetzt ist’s heraus — jetzt machen Sie, daß Sie in die Stadt zum Assessor Buntenfeld kommen — Dem erzählen Sie die Geschichte — Der bringt’s wieder in Ordnung, damit ich ruhig sterben kann. Wenn sie mich dann auch noch vorher ins Zuchthaus transportiren, was thut’s — dort hab’ ich jedenfalls bessere Pflege als hier in dem öden Nest, und jetzt ist mir auch das Herz wieder leicht, da ich’s ausschütten konnte, was mir darauf gelegen die langen Jahre.“
„Und habt Ihr einen Arzt hier?“
„Ja — einen, wovor Einen Gott bewahren soll — einen Blutegel, der Alles mit Schröpfköpfen und Aderlassen curirt, und wenn sich Einer über Halsschmerzen beklagt, zieht er ihm einen Zahn aus und sagt: das hilft.“
„Und seid Ihr bereit, das, was Ihr mir gesagt, in Gegenwart des Assessors zu wiederholen?“ frug der junge Mann, von seinem Sitz aufspringend. Der Alte zögerte einen Augenblick mit der Antwort; endlich aber sagte er:
„Wenn’s die Falleri frei macht, und wenn’s sein muß — ja in Gottes Namen — den Hals können sie mir nicht abschneiden, und ich muß mit der Geschichte ins Reine kommen; die andern will ich schon selber vor’m lieben Gott verantworten, denn ich bin eigentlich nie ein böser Mensch gewesen, wenn sie mich auch manchmal gern dazu gemacht hätten.“
Der Soldat hatte schon lange seine Mütze aufgegriffen, aber sich noch einmal in dem wirklich trostlos öden Gemach umschauend, sagte er:
„Wie ich sehe, fehlt es Euch hier an jeder Bequemlichkeit — es ist möglich, daß Ihr uns einen großen Dienst geleistet habt; daß wir dadurch auf die Spur einer bis dahin verloren Geglaubten kommen, und ich — möchte nicht, daß es Euch bis dahin an etwas fehle. Ich werde mit dem Assessor heraus kommen, aber auch einen ordentlichen Arzt bringen, und hier — ist indessen Geld, damit Ihr Euch anschaffen könnt, was ihr gerade nothwendig braucht.“