Der alte Förster nickte leise und zustimmend mit dem Kopf, und trat indessen, während sein junger Gehülfe den kurzen Bericht abstattete, an den Rand der hier ziemlich steil abfallenden Felsen, um das da unten ausgebreitete Terrain zu überblicken.
Es war ein wilder eigenthümlicher Platz hier mitten in den Bergen, und Bernhard selber auf all’ seinen Streifzügen noch nie in die Nähe desselben gekommen.
Gerade zu ihren Füßen fielen die Sandsteinfelsen wohl achtzig oder neunzig Fuß steil ab, und nach rechts und links, wohin er sah, schien eine ganz ähnliche Mauer eine unten liegende flache und moorige Ebene, auf der auch wenig mehr als Haidekraut und kleines niederes Gestrüpp wuchs, einzuschließen. Der ganze innere Raum mochte übrigens ein paar Morgen umschließen, und sah genau so aus, als ob er in früheren Jahrhunderten — oder vielleicht Jahrtausenden — die ganze offene Stelle ausgefüllt hätte und nur einmal, bei einer inneren Erderschütterung vielleicht, weggesunken wäre.
„Sind Sie schon an dem Platz hier gewesen, Raischbach?“ sagte der Alte nach einer längeren Pause, in der er schweigend über die wüste Stelle hinausgeschaut.
„Nein, Herr Förster,“ sagte der junge Mann; „das ist ein wildes wunderliches Terrain; bin aber noch nie hierher gekommen — heute zum ersten Mal. Es kann hier gar nicht so weit von der Grenze sein.“
„Ist es auch nicht,“ nickte der Förster; „die Schlucht, die von dort herüberkommt, wo Sie neulich die wilde Katze geschossen haben, bildet die Grenze, und die Stelle hier heißt ‚der Fuchsbau‘ — gibt auch schmählich viel Füchse hier, denn da drinnen sind sie ungestört, und man darf nicht einmal einen Hund hineinlassen, weil die Wand voller Risse und Spalten steckt, die oft Gott weiß wie tief hinuntergehen. Gleich im ersten Jahr, als ich herkam, habe ich dort drüben in dem einen Loch meinen besten Dachshund verloren, und mich nachher wohl gehütet, wieder einen in die Nähe zu bringen.“
„Sonderbar,“ sagte Raischbach, „ob der Platz nicht wie eingesunken aussieht —“
„Hm,“ brummte der Alte und sah sich vorsichtig dabei um — „wir wollen hinüber nach dem Rendezvous gehen, wohin wir die Kreiser bestellt haben — ’s ist gar nicht so weit von hier, und wenn wir der Schneuße folgen, kommen wir ganz in die Nähe.“
Damit rückte er sich seine Büchse wieder auf die Schulter und schritt langsam voran, Bernhard folgte ihm, und Beide gingen auch die ganze Strecke lang schweigend neben einander hin; nur unterwegs brach sich der Förster ebenfalls einen Bruch ab und steckte ihn sich, alter Sitte folgend, auf den Hut — war doch ein jagdbarer Hirsch erlegt, und dabei durfte keine althergebrachte Form versäumt werden.
So erreichten sie nach einer Weile das bestimmte Rendezvous, eine kleine offene Waldblöße, an deren Rand ein Pirschhaus gebaut war, um den Kreisern, wenn sie hier in der Nähe Dienst hatten, ein Obdach zu bieten. Der Förster trug allerdings den Schlüssel dazu in der Tasche, aber bei dem prachtvollen Wetter dachten die beiden Jäger nicht daran, sich in das dumpfige Haus zu setzen, und Buschmann, mit seinem Hirschfänger, einen Zweig von einem dort stehenden breitästigen Weißdorn schlagend, hing seine Büchse an den Zacken und warf sich dann auf das Moos im Schatten des Baumes nieder, welchem Beispiel sein junger Forstgehülfe folgte.