„Bei uns wär’ wohl schon oft davon gesprochen,“ sagte der Alte, „aber wir thun’s nicht gern, wenn die alte Lisei dabei ist.“

„Die Lisei?“ sagte Raischbach erstaunt.

„Ahem,“ nickte der Förster. „Wenn sie den Ort nur nennen hört, steht sie jedesmal auf, geht hinaus und setzt sich in eine dunkle Ecke und weint. Es muß ihr da in ihrer Jugend was Liebes abhanden gekommen sein. Die Leute versichern wenigstens, ihr Schatz habe sich in ein Erdweible von da drunten her, das es ihm angethan, verguckt und Niemand wieder etwas von ihm gehört.“

„Aber kann der nicht auf andere Art verunglückt sein?“

„Möglich; doch wahrhaftig, da kommen die Kreiser — das ist gescheidt, mir ist die Zunge schon ordentlich am Gaumen angetrocknet, und ein Schluck Bier wird uns jetzt nicht schlecht munden. Also erst frühstücken und dann mit unserem Hirsch zu Thal, daß er zur rechten Zeit an Ort und Stelle eintrifft.“

Die Kreiser hatten ihre Zeit richtig eingehalten, ja waren eher noch eine Viertelstunde früher angekommen und sahen auch gleich an den grünen Brüchen auf den Hüten der beiden Forstleute, daß die Pirsche keine vergebene gewesen. Vor allen Dingen lagerten sich aber die Leute, denen sich auch die drei Mann Forstschutz beigesellten, im Schatten, um sich von ihrem mühseligen Marsch auszuruhen und einen Bissen zu essen. Dabei mußte Raischbach erzählen, wo er den Hirsch gefunden und wie er an ihn angekommen sei, was sie natürlich außerordentlich interessirte.

Nach beendetem Frühstück brachen dann Alle der Stelle zu auf, wo der verendete Hirsch lag, der dort aufgeladen und dem Ort seiner Bestimmung zugeschafft wurde. Die beiden Forstleute schlenderten aber auf einem näheren Weg, von einem der Kreiser begleitet, der ihr „Jägerrecht“[A] in einem Sack auf der Schulter mittrug, langsam nach der Forstei zurück.

[A] Jägerrecht, einzelne bestimmte Theile eines erlegten Stückes Hoch- oder Rehwild.

Zweites Kapitel.
Die fremde Maid.