Der Kreiser, da Raischbach mit seinem Bein nicht recht vorwärts konnte, mußte jetzt nach dem Forsthaus zurück und Hülfe holen. Dicht daneben war eine Anzahl Holzhauer beschäftigt, die Nachts in der einen Scheuer schliefen, und diese eilten jetzt herbei, um die Verwundeten und den Todten zum Haus zu schaffen. Ein Bote mußte augenblicklich zur nächsten Stadt, und schon am Nachmittag waren die Gerichte da, um den Thatbestand zu untersuchen.

Förster Buschmann hatte indessen in der Nähe des gestrigen Kampfes ein angeschossenes Stück Wild gefunden, das nicht weit von der Stelle verendet lag, und es dauerte auch nicht lange, so spürten die Gendarmen den dritten Wilderer heraus, der, die Haut voller Schrote, im Dorf krank lag und sich erst gar nicht wollte untersuchen lassen.

Jetzt begann ein langes Verhör, aber die beiden ertappten Wilderer fanden bald, daß ihnen Leugnen nichts mehr half, ja der Eine von ihnen gab sogar seine übrigen Helfershelfer an, wonach sich dann herausstellte, daß die ganze Bande aus sieben Mann bestanden hatte, die den Wilddiebstahl, von den großen Dickungen begünstigt, schon lange geschäftsmäßig betrieben haben mußten. Sie wurden Alle zu ziemlich schwerer Strafe verurtheilt und der Wald bekam jetzt Ruhe. Wenn auch vielleicht noch manch’ Einer in der Nachbarschaft lebte, der seiner Zeit ebenfalls kein Kostverächter gewesen, so schien ihm doch die Sache, im Verhältniß zu dem Nutzen, den sie brachte, ein wenig zu gefährlich geworden zu sein, um gleich Hals und Kragen daran zu setzen, und sie ließen’s lieber bis auf ruhigere Zeiten.

Raischbach hatte übrigens in der Nacht einen tüchtigen Denkzettel bekommen, der ihn für ein paar Wochen an sein Lager fesselte; denn wenn die Kugel auch glücklicher Weise keinen Knochen getroffen, war es doch ein häßlicher Fleischriß, der seine Zeit zum Heilen verlangte.

Indessen pflegte ihn die Frau Försterin und die alte Lisei nach besten Kräften, und die Letztere besonders wachte in der ersten Zeit, wo er ein tüchtiges Wundfieber bekam, ganze Nächte bei ihm. Seine kräftige Natur erholte sich aber doch bald wieder und es heilte rasch; nur schonen mußte er das Bein noch und durfte nicht hinaus in den Wald, bis die Wunde vollständig verharrscht war, und das kümmerte ihn dabei am Meisten.

Ein Jäger im Bett — es gibt nichts Trostloseres — und das noch dazu in der besten Jagdzeit; aber es half nichts, er mußte aushalten, und die Frau Försterin litt schon selber gar nicht, daß er sich vor der Zeit wieder anstrengte.

Und was für Muße hatte er jetzt wieder, über alte Geschichten nachzugrübeln — er wollte zuletzt gar nichts mehr denken, und wenn dann die alte Lisei kam, forderte er sie auf, ihm Etwas zu erzählen — und selten umsonst. Die Alte hatte schon lange den Mann lieb gewonnen, weil er ganz anders war als das übrige junge Volk, und nie über ihre Erzählungen lachte oder gar darüber spottete. Sie erfüllte deßhalb auch gern seinen Wunsch; aber das Einzige, über was sie sprechen konnte, war eben das, was sie nicht begriff — das Uebernatürliche, Uebersinnliche, und darin besaß sie entweder eine reiche Phantasie oder ein vortreffliches Gedächtniß, denn sie konnte ihm stundenlang von all’ dem Geisterhaften berichten, was den Wald belebte, und Bernhard lag dann mit halbgeschlossenen Augen auf seinem Bett, hörte ihr zu und dachte an seine fremde Maid, die er selber da draußen getroffen.

Endlich war die Wunde geheilt, und der Dorfchirurg, der ihn manchmal besuchte, gestattete ihm, daß er wieder hinaus dürfe, wenn er sich auch noch tüchtig schonen müsse. Vor allen Dingen verbot er ihm anstrengende Touren und gestattete nur einen ruhigen Pirschgang vielleicht, bei dem er sich manchmal eine Stunde ansetzen oder rasten konnte.

Das war dem jungen Jäger gerade recht — weiter verlangte er nichts, und schon der nächste Morgen sah ihn wieder mit seiner Büchse im Wald; denn jetzt hatte er die beste Zeit, um sich auf den alten Bock anzusetzen und ihm seinen Wechsel abzulauschen — aber es war nichts und der Bursche viel zu schlau für ihn, um ihm irgendwo in den Weg zu laufen.