„Grüß die!“ flüsterte da die Maid dem jungen Jäger wie ängstlich zu — „sei fein höflich, sonst wird sie bös.“

Raischbach folgte ihrem Rath, die Alte hatte in der That ein bitterböses Gesicht; als er aber sehr höflich seinen Hut zog, heiterte es sich etwas auf. Sie murmelte nur ein paar unverständliche Worte aus ihrem zahnlosen Mund und humpelte dann vorüber.

„Wer war denn das?“ sagte der junge Forstgehülfe, als sie sich außer Hörweite von ihr befanden.

„Kennst Du die nicht einmal?“ lachte das Mädchen — „die alte Urschel vom Urschelberg drüben, die manchmal hier bei uns zuspricht; da kommen auch ihre drei Nachtfräulein; die sind aber gut und brav.“

Drei bildschöne, weißgekleidete Jungfrauen schritten mit niedergeschlagenen Augen an ihnen vorüber; ehe sie aber Bernhard ordentlich betrachten konnte, hörte er donnernde Hufschläge dicht hinter sich auf der Straße und hatte wirklich kaum Zeit, bei Seite zu springen, als auch schon ein milchweißes Roß mit einer in grünen Sammet gekleideten Reiterin an ihm vorüberflog. Von ihrem Haupt wehten lange, rabenschwarze Locken aus, von ihrem Barett schwankten lange, prachtvolle Reiherfedern, und auf der linken Faust hielt sie eine mächtige Eule, die sich fortwährend gegen den Wind duckte und die Flügel halb ausbreitete, als ob sie eben abstreichen wolle.

Der junge Forstgehülfe wollte sich eben wieder erstaunt zu seiner Führerin wenden, als die wilde Reiterin ihren Zelter plötzlich auf den Hinterbeinen herumwarf, daß die Eule bei der unerwarteten Bewegung kaum ihren Stand bewahren konnte. So zügelte sie ihr Thier vor dem Jäger ein, dessen Beruf sie wohl rasch an der Kleidung erkannt hatte, und rief: „Hallo, wen haben wir da? Waidmanns Heil, mein Bursch’; woher des Weges?“

„Von droben, Fräulein Berchta,“ sagte da seine junge Begleiterin; „aus dem Spessart herunter; er ist nur zum Besuch gekommen.“

„Hat er Dich besucht, Schatz?“ lachte die junge Dame, „und kann er nicht selber Red’ und Antwort stehen?“

„Doch, Fräulein,“ sagte der Forstmann, der sich rasch gesammelt hatte und jetzt schon anfing, gar nichts Außerordentliches mehr in all’ dem Wunderbaren zu finden, das ihn hier umgab; „ich kann wohl selber reden, hoffe aber, daß ich hier unten Niemanden zur Last falle, sonst gehe ich eben wieder meiner Wege.“