„Die Frau Holle? — ist es denn möglich? Und da drüben wohnt wohl der Förster? Zu dem könnten wir vielleicht einmal hineingehen und ihm guten Tag sagen.“
„Ja nicht!“ warnte aber das Mädchen; „wir wüßten nicht, wie wir empfangen würden und ob er gerad’ bei guter Laune wäre. Das ist auch nicht das Forsthaus, sondern da haust der Graf Hackelnberg, und manchmal ist er gut und freundlich mit den Leuten, manchmal aber, wenn er seinen bösen Tag hat, hetzt er die Hunde auf sie und treibt allerlei Unfug. Das ist und bleibt ein wilder Gesell.“
Raischbach war stehen geblieben und besah sich das Haus — es war ein graues, aus Stein aufgeführtes Gebäude, fast wie eine Forstei, nur hinten mit einem kleinen Wartthurm, über der Thür aber ein mächtiges Hirschgeweih von einem Zweiunddreißig-Ender befestigt, wie sie jetzt gar nicht mehr im Walde vorkommen, und auch unter dem Giebel mit einer Menge von Jagdtrophäen geschmückt.
Das Mädchen zog ihn aber weiter, denn es kamen eine Menge Leute die Straße herunter. Sie sahen auch den jungen Fremden wohl verwundert an, grüßten doch aber Alle freundlich und ließen ihn ungehindert ziehen — nur ein anderes junges Mädchen griff seine Begleiterin am Arm, zog sie ein wenig bei Seite und flüsterte ihr, aber laut genug, daß es Raischbach hören konnte, zu: „Wen hast Du denn da aufgegabelt und wo kommt der her?“
„’s ist bloß ein Besuch,“ sagte aber die Maid, „ein braver junger Mensch, der sich einmal bei uns umsehen will.“
„Aber darf er denn das?“
„Und warum nicht? — wer kann’s ihm wehren? er nimmt ja nichts mit fort.“
Das andere Mädchen schüttelte mit dem Kopf, als ob ihr die Sache nicht recht wäre, oder doch sonderbar vorkäme, sagte aber nichts weiter, sondern nickte nur „grüß Gott“ und folgte den Anderen.
Den Weg herunter und ihr folgend kam jetzt eine alte Frau an einem Krückstock, die aber, als sie den Fremden sah, mitten in der Straße stehen blieb und ihn groß betrachtete.