„Dem Grafen Hackelnberg gehören die?“ rief der Forstgehülfe, „dem wilden Jäger?“
„Ja, gewiß,“ sagte das Mädchen, „der hat sich hier schon lange bei uns eingenistet, reitet aber nur selten noch aus, denn er leidet so furchtbar an der Gicht.“
„Der wilde Jäger?“ rief Raischbach erstaunt aus, während die Hunde wieder von ihnen abließen — „aber ich dachte immer, der Graf Hans von Hackelnberg hause im Harzgebirge?“
„Da war er auch früher,“ nickte das Mädchen, „aber es muß ihm wohl dorten langweilig gewesen sein, und weil er hier bessere Gesellschaft gefunden hat, ist er hierher gezogen. O, es wohnen eine Menge vornehmer Leut’ hier,“ fuhr die Maid bedeutsam mit dem Kopf nickend fort — „Du wirst Dich wundern, wenn Du sie einmal alle beisammen siehst, denn so ein lauschiges Plätzchen giebt’s gar nimmer mehr an irgend einer Stelle in der ganzen Welt, wie bei uns im Grund.“
Während sie noch so plauderte, waren sie auf den offenen Raum hinausgetreten, und der junge Forstgehülfe sah hier allerdings eine vollständig neue Welt, die sich ihm, je weiter er hineindrang, mehr und mehr erschloß.
Das mußte eine uralte Stadt sein, die hier unten im Grunde lag, denn die Häuser sahen alle grau und verwittert genug aus, und auf den Dächern und Mauern wuchs Hauslauch in ganzen Büscheln, während von manchen Dachrinnen das Moos in langen grünen Quasten bis fast zur Erde niederhing. Aber die Fenster sahen trotzdem spiegelblank aus, und jedes Haus hatte seinen kleinen freundlichen Garten, in welchem, trotzdem daß oben auf der Erde jetzt Schnee lag und tiefer Winter war, die schönsten Blumen wuchsen und reife Stachelbeeren, Kirschen und Pflaumen hingen.
Links am Eingang lag ein reizendes kleines Landhaus mit einem schmalen, aber langen Teich, der es halb umschloß und auf dem die wundervollsten Wasserlilien wuchsen.
„Da wohnt die Frau Holle,“ sagte die Maid, „wenn sie manchmal zu uns auf Besuch kommt.“