„Thut Dir noch was weh von dem Fall?“ frug das Mädchen, als sie sah, daß er sich bald am rechten, bald am linken Arm anfaßte und auch nach dem Kopf hinaufgriff.

„Das nicht grad’,“ meinte er etwas verlegen, denn er mochte ihr doch nicht sagen, was ihm eben durch den Sinn gefahren — „nur im Kopf brummt und summt mir’s so.“

„Das ist das ewige Brausen und Kochen tief in der Erde Grund,“ sagte die Maid, „was wir hier deutlicher hören, als ihr da oben; daran wirst Du Dich bald gewöhnen, wenn Du erst einmal eine Weile bei uns bist.“

„Hussa! hussa! hallo!“ tönte plötzlich ein wilder Jagdruf durch die Luft, und ein paar scheue Menschengestalten, denen der Kopf in Feuer zu stehen schien, so lichterloh brannten ihnen die Haare, fuhren wie Kaninchen über den Weg. Hinter ihnen her aber, ihre Rüden hetzend, und die Eule jetzt in freier Flucht nach den Gehetzten immer mit den Flügeln schlagend, setzte die wilde Reiterin auf ihrem Schimmel quer über die Gartenzäune und Sträucher weg, und kläffende Rüden heulten an ihrer Seite.

„Um Gottes willen!“ rief Raischbach erschreckt aus, „was haben die armen Menschen denn gethan?“

„Ah,“ sagte die Maid verächtlich, „das sind ‚Schretteln‘; denen geschieht’s schon recht, und das Bischen Bewegung kann ihnen nichts schaden.“

„Schretteln?“

„Ja, schlechtes Volk, was seiner Zeit Grenz- und Marksteine versetzt und die Nachbarn um ihren Grund und Boden betrogen hat. Die werden gejagt, wo sie sich blicken lassen, haben hier unten auch gar nichts zu thun und sollen nur machen, daß sie wieder in ihre Sümpfe kommen. Wir brauchen derlei Gelichter nicht.“

„Und wohin gehen wir jetzt?“

„Wart’ hier einen Augenblick, ich bin gleich wieder da,“ sagte das Mädchen — „muß nur erst einmal nach Haus laufen und Dich melden, damit mein Vater weiß, wir kriegen Besuch für die Nacht. Nachher führ’ ich Dich in die Wolfsschlucht, und dann gehen wir zusammen heim.“