„Ich pass’ schon auf, wenn Du wieder herunter kommst, und nehme Dich dann nachher mit,“ und ihm freundlich zunickend glitt sie an dem alten Eckardt vorüber, der aber gar nicht den Kopf nach ihr wandte, in das Haus. Vor sich aber bemerkte Raischbach jetzt einen ehrwürdig aussehenden Greis mit weißem Haar und Bart, der einen eigenthümlich alten Rock und kurze Hosen und Schuhe und Strümpfe trug. Aber er sah freundlich und treuherzig aus, und dem jungen Forstmann die Hand entgegenstreckend, rief er: „Gott zum Gruß, Landsmann! Freut mich, daß Ihr auch einmal hier herunter zu uns kommt. Fällt selten hier vor, daß wir Einen von Euch zu sehen kriegen, denn was uns hieher geschickt wird, ist meistens Gesindel, das oben nicht gut thut und daher auf gute Besserung herunter muß.“

„Und kennt Ihr mich denn, Meister Eckardt?“ sagte Raischbach verwundert.

„Weßhalb soll ich Euch nicht kennen?“ lachte der alte Mann. „Hab’ Euch oft zugesehen, wenn Ihr da oben halbe Tage lang auf den alten Bock gepaßt und geblattet habt, während der, kaum zweihundert Schritt von Euch entfernt, ruhig in der Dickung spazieren ging, und nur manchmal seinen Platz wechselte, um wieder Wind von Euch zu bekommen und genau zu wissen, wo Ihr gerade stäket.“

„Ja, der alte Bock,“ sagte Bernhard, „hat mir schon viel Mühe gemacht.“

„Und wird Euch noch mehr machen,“ lachte der Alte, „es ist eben alle Tage Jagd-, aber nicht alle Tage Fangtag, und der Jäger muß Geduld haben, sonst bringt er’s zu nichts. Mit dem Hetzen, wie sie’s zu meiner Zeit getrieben, ist oben nichts mehr auszurichten, denn man kommt nicht mehr durch. Damals ja, da war lauter Hochwald, und man konnte sein Pferd laufen lassen; jetzt aber, wo sie lauter junges Holz anpflanzen, das Dickungen bildet, wo kaum ein Fuchs durchschlüpft, da sollen sie’s wohl bleiben lassen, und die lustige Jagd hat aufgehört.“

„Aber Fräulein Berchta scheint’s doch noch zu treiben,“ sagte Bernhard.

„Das ist ein tolles Mädel,“ meinte der Alte kopfschüttelnd, „und die läßt’s nicht bis in alle Ewigkeit. Aber geht nur hinauf, sie hat schon nach Euch gefragt, und der Hackelnberg ist auch oben und der Ebersberger; die ganze tolle Jagd hat sich versammelt, und Ihr kommt gerade recht.“

„Und darf ich da eintreten?“

„Geht nur gerade zu und sagt ruhig Euer Waidmannsheil. Derartige Leute sind immer willkommen, wenn ich’s auch gerade keinem Anderen rathen wollte, so ohne Weiteres zu ihnen herein zu brechen.“