„Das ist recht gut,“ sagte eine alte würdige Frau, die jetzt auch auf Raischbach zukam und ihm freundlich zunickte, „daß Ihr einmal um Euer häßliches Spiel kommt und Euch der Gesellschaft widmen könnt; es giebt so nur immer Zank und Streit dabei.“

„Bah, Gesellschaft widmen!“ knurrte ein anderer baumlanger Gesell, auch in Jägertracht, aber mit wirrem Haar und Bart und tückisch blitzenden Augen; „das ewige Schwatzen und Klatschen bekommt man auch am Ende satt — Eckardt, schafft wenigstens Wein her, daß wir die Gurgeln nässen können.“

„Aber vorher muß ich unserem jungen Gast doch wenigstens die Gesellschaft vorstellen,“ sagte Fräulein Berchta, „damit er weiß, bei wem er sich befindet.“

„Wir wissen ja selber noch nicht einmal, wie er heißt,“ knurrte der Alte wieder.

„Bernhard Raischbach, Forstgehülfe aus dem Spessart,“ sagte der junge Jäger, sich selbst vorstellend.

„Allen Respekt,“ lachte der wilde Jäger — „nun denn, ich bin Graf Hackelnberg, um mich gleich zu beseitigen, das da Fräulein Berchta, Frau Holle hier — das hier der wilde Ebersberger, ein getreuer Jagdgenosse.“

„O, werdet nicht langweilig, oder ich geh’ meiner Wege,“ knurrte dieser. „He, da kommt Wein! Eingeschenkt, Eckardt! So recht — hier, Herr Forstgehülfe, nehmt einmal den Humpen da und thut Bescheid. Könnt Ihr trinken?“

„Sollt’ es denken,“ lächelte dieser, den riesigen Römer in die Hand nehmend. „Also Ihr Wohl, meine Damen und Herren!“ und da ihm die Zunge ordentlich am Gaumen klebte, leerte er das ganze Gefäß auf einen tüchtigen Zug.

Der Graf Hackelnberg hatte ihn scharf im Auge behalten, aber sein Gesicht heiterte sich sichtlich auf, als er den Zug sah, und wie der junge Forstmann das Glas umdrehte, zum Zeichen, daß er dem Trunk Ehre angethan, schrie er mit lauter donnernder Stimme: „Bravo, mein Junge, das hätte der Ebersberger nicht besser machen können, und der hat ebenfalls eine famose Saugkraft. Hier ein Wohl auf das edle Waidwerk und daß die Aasjäger der Teufel hole!“ und damit stürzte er seinen Humpen ebenfalls hinab.

Der alte Eckardt hatte jetzt kaum Hände genug, um nach allen Seiten einzuschenken, und auch das Gespräch wurde allgemein. Eben war auch die alte Urschel mit ihren jungen Damen eingetreten, ohne freilich selber Theil daran zu nehmen, denn sie schien nicht geselliger Natur, sondern setzte sich still und mürrisch in eine Ecke und holte sich ein großes Spinnrad vor, während eines der jungen Mädchen ihr eine große Tasse mit Kaffee brachte. Die drei jungen Nachtfräulein aber, — denn seine Begleiterin Marie hatte ihm ja gesagt, daß es solche wären, — schienen ihr scheues verschlossenes Wesen ganz abgelegt zu haben, und plauderten jetzt so auf Raischbach ein und wollten wissen, wie es „da oben“ aussähe und was die Menschen dort trieben, daß er ihnen kaum alle Fragen beantworten konnte. Und wie hübsch — wie wunderhübsch sie waren und was für tiefblaue, treue Augen sie hatten — aber so hübsch wie seine Marie schienen sie doch nicht, wenn sie auch viel edler und vornehmer auftraten und weiße, außerordentlich feine Gewänder trugen.