„Das wollen wir doch bald erfahren, ob er es Dir wirklich geschenkt hat, mein Bursche!“ lachte da der Fremde, indem er ein kleines Horn an die Lippen setzte und einen schrillen Ton darauf blies.

„Fort! fort!“ rief aber das Mädchen, indem sie Bernhard am Arm faßte und mit sich in den Gang hineinriß. „Das ist das Signal für die wilde Jagd — wenn sie uns einholen, sind wir Beide verloren!“

Im nächsten Moment flohen sie durch den jetzt vollkommen dunklen Gang, und Raischbach schien es, als ob er gar kein Ende nehmen wollte. Da hörte er plötzlich ein fernes, wunderliches Geräusch.

„Horch!“ rief das junge Mädchen in Todesangst „sie kommen! — o, kannst Du denn nicht schneller laufen?“

„Ich weiß nicht!“ erwiederte der junge Forstgehülfe, „sonst bin ich flüchtig wie ein Reh, aber jetzt ist es mir, als ob ich die Füße gar nicht vom Boden bringen könnte — sie sind mir so schwer wie Blei.“

„O wirf das Gehörn fort! Du darfst nichts mitnehmen.“

„Bah, der Hackelnberg hat mir’s geschenkt — haben wir denn noch weit?“

„Da kommen sie! Da kommen sie!“ rief das Mädchen, und plötzlich erschallte das Gewölbe von einem grausigen, furchtbaren Lärm — Hörnerschall, Peitschenknall, Rüdengebell und Geheul, das Hussah der Jäger, und nun flog ein rother, glühender Feuerschein durch die Dunkelheit.

„Das ist die Tut-Osel!“ schrie Marie, und Bernhard sah, wie die Eule mit feuersprühenden Schwingen sie eingeholt hatte und mit den Flügeln nach ihnen schlug. Jetzt donnerte das Gestampf der Hufen heran — jetzt hörten sie das Geklatsch und Geheul der Meute dicht hinter sich, um sich her. „Hussah!“ hörte er Fräulein Berchta’s Stimme — „Hussah! faßt den Burschen da vorn! reißt ihn nieder — er trägt Beute hinweg! Hussah — hussah!“