Wohin er sich gewandt, zeigte allerdings deutlich genug der Schnee: in die Wand hinein — und dazu etwa der Kien? Wahrhaftig, da lag ein abgebrannter kleiner Spahn und etwas Asche. Der Mann schüttelte den Kopf, denn er kannte die bösen Spalten und Klüfte in der Wand hier schon seit langen, langen Jahren. — Aber wenn er da drinnen stak, mußte er wenigstens Antwort geben, und dort konnte er auch durch ein Bischen Lärm nichts verderben. Er stellte also seine alte Flinte ebenfalls draußen ab, drängte sich ein Stück in die Spalte hinein und rief den Forstgehülfen bei Namen — keine Antwort folgte; er pfiff auf dem Finger — mit dem nämlichen Erfolg. Er wartete eine Weile und rief nochmals — immer dasselbe. Da drinnen herrschte Todtenstille, und kein Laut ließ sich hören, kein Hundewinseln oder Bellen, wenn der Dachs vielleicht noch hinter seiner Beute hergewesen wäre.

„Herr Raischbach!“ schrie der Kreiser noch einmal, denn diese Stille wurde ihm unheimlich. Sollte dem jungen Mann ein Unglück zugestoßen sein? „Herr Raischbach!“ er schrie so laut er konnte; er hätte ihn da drin hören müssen, denn der Schall der Stimme donnerte an den Wänden hin. — Keine Antwort erfolgte, und dem Mann wurde es jetzt selber unbehaglich in dem dunkeln Loch. Allein konnte er auch gar nichts ausrichten, denn passirte ihm ebenfalls etwas, so waren sie Beide verloren, und Niemand hätte gewußt, besonders wenn der Schnee wieder wegging, wo sie geblieben wären.

Vorsichtig glitt er zurück, nahm draußen seine Flinte wieder, ließ aber natürlich die des Forstgehülfen stehen, und eilte jetzt, so rasch er konnte, in den Wald hinauf und der Forstei zu. Unterwegs traf er ein paar Holzmacher, die er augenblicklich mitnahm, denn er wußte nicht, wie man sie gebrauchen konnte, und war nur froh, daß er den ebenfalls gerade von einer Pirsche zurückgekehrten Förster zu Hause fand.

Der alte Buschmann erschrak, als ihm Metzler Bericht abstattete, und lief, ohne ein Wort zu sprechen, eine ganze Weile im Zimmer auf und ab und kratzte sich das weiße Haar. Er war aber kein Mann, der sich lange mit Ueberlegen abgegeben hätte, denn er wußte recht gut, wie er hier zu handeln hatte.

„Metzler,“ sagte er plötzlich vor diesem stehen bleibend, „Euch hat der liebe Gott vielleicht zur rechten Zeit an den verdammten Platz geführt. Wie viel Holzhauer habt Ihr bei Euch?“

„Zwei, Herr Förster.“

„Gut; zwei andere arbeiten gleich drüben am schwarzen Bach. Die Lisei soll augenblicklich hinlaufen und sie abrufen. Den Müller habe ich zu der neuen Pirschhütte geschickt, den finden wir unterwegs, und von den Forstschutzleuten liegen zwei, die gerade die Nacht draußen waren, oben und schlafen. Die müssen auch mit, dann sind wir Leute genug.“

„Und brauchen wir sonst was, Herr Förster?“

„Gewiß — meine Frau soll Euch gleich einmal die Laterne mit ein paar Lichtern geben — oben auf dem Boden habe ich auch noch zwei Pechfackeln, die holt ebenfalls. Dann nehmt das starke neue Heuseil mit — und eine Schaufel und Spitzhack ebenfalls, der liebe Gott weiß, was wir brauchen. Die Holzmacher sollen auch ihre Aexte nicht vergessen und noch ein paar kurze Seile — weiter wird wohl nichts nöthig sein. — Und meine Frau soll mir die Schnapsflasche füllen. — Es war reiner Wahnsinn von dem Menschen, dort hinein zu kriechen.“

„Schön, Herr Förster.“