„Ja, aber um Gottes willen,“ rief er — „Frau Reuter! Wie kommen Sie denn?“
„Oh Gott sei gepriesen! er kommt wieder zu Verstand,“ sagte die Frau mit gefalteten Händen — „er kennt mich,“ und rasch trat sie zu dem Glockenzug und läutete daran.
Der Doktor schüttelte mit dem Kopf. „Er kommt wieder zu Verstand!“ hatte sie gesagt, sollte er denn den schon einmal verloren gehabt haben? Unwahrscheinlich kam ihm das gar nicht vor, wenn er sich seine jetzige Situation überlegte, und er würde sogar weit eher geglaubt haben, daß er ihn noch gar nicht wiedergefunden. Aber jetzt wurden Schritte draußen laut: es klopfte an, und ehe er selber nur einen Entschluß fassen konnte, hatte die Frau schon die Thür geöffnet, und Ohlers, Degmar und Dölzig traten in’s Zimmer.
„Hurrah!“ rief Ohlers aus, wie er nun den Doktor sah — „wieder frisch und gesund: hab’ ich denn nicht recht gehabt? Ich wußte, daß es ihm nicht schaden würde, denn es war nur ein kalter Schlag.“
„Ein kalter Schlag?“ wiederholte der Doktor verdutzt, und sah nur noch, wie die Frau Reuter hinter den Herren das Zimmer verließ.
„Vor allen Dingen, Peters,“ sagte aber Ohlers feierlich, „haben wir Dir Abbitte zu thun, daß wir damals das, was Du eine Ahnung nanntest, bespöttelten und mißachteten.“
„Abbitte? Ahnung?“ rief der Doktor, „wollt Ihr mich wirklich verrückt machen, oder bin ich es schon?“
„Und solltest Du Dich wirklich nicht mehr auf die Vorgänge des gestrigen Abends besinnen?“ sagte Ohlers.
„Bester Ohlers,“ warf Degmar dazwischen, „das war genau so mit meinem Bruder, von dem ich Ihnen heute Morgen erzählt habe, und den ein ganz ähnlicher Anfall traf. Er erlangte nach kurzer Zeit seine vollständige Besinnung wieder, aber was unmittelbar dem Anfall vorausgegangen, die letzten drei oder vier Stunden waren seinem Gedächtniß vollständig entschlüpft, und keine Spur davon mehr in seiner Erinnerung zurückgeblieben.“