„Einen Anfall?“ rief Peters.
„Nun gestern Abend,“ sagte Ohlers ruhig, „wie Du erklärt hattest, daß Du nicht reisen würdest, und der Wittwe Reuter die Hand reichtest — gerade wie Euch der Friedensrichter als Mann und Frau zusammengab —“
„Als Mann und Frau?“ schrie Peters, und fuhr mit beiden Beinen aus dem Bett, ebenso rasch aber auch wieder, einen scheuen Blick im Zimmer umher werfend, zurück und sah die Freunde erstaunt, ja ordentlich verstört an. Plötzlich aber glitt ein Lächeln über seine gutmüthigen Züge, und dem Apotheker verschmitzt mit dem Finger drohend, sagte er:
„Ohlers, Du Schwerenöther, Du willst Dir gewiß einen Jux mit mir machen.“
Degmar konnte sich nicht mehr halten, er platzte gerade heraus, rief aber dabei:
„Nein, das ist zu komisch, jetzt weiß der nicht einmal, daß er verheirathet ist.“
„Hören Sie, Degmar,“ sagte Ohlers ernst, „da ist gar nicht viel Komisches dabei, und wir wollen wahrhaftig keine Zeit versäumen. Bleib nur noch im Bett liegen, Peters, deck Dich warm zu und warte einen Augenblick, ich will gleich nach dem Doktor Becker schicken, denn der Anfall könnte doch sonst am Ende ernstere Folgen haben.“
„Thun Sie das, Ohlers,“ sagte Dölzig, der den Doktor indessen ernst und fast traurig betrachtet hatte, „Degmar und ich bleiben indessen bei ihm.“
„Zum Doktor schicken? und weßhalb?“ rief aber Peters, indem er sich nach seinen Kleidern umsah, „ich bin so wohl wie ich je gewesen, und will aufstehen. Wenn Jemand zum Doktor gehen muß, kann ich’s selber thun; übrigens, wenn Ihr mich nicht verrückt machen wollt, so erzählt mir jetzt ruhig, was vorgegangen ist, und überlaßt dann das Andere mir. — Sie Dölzig sind der Vernünftigste von den Beiden, was ist mit mir seit gestern Abend geschehen, und wo bin ich hier?“
„Ich könnte Ihnen die letzte Frage gleich zuerst beantworten,“ sagte Dölzig ruhig, „aber lassen Sie uns lieber von vorn beginnen, denn ich fange jetzt an, selber zu glauben, daß jener merkwürdige Zufall Ihre Erinnerung für den Augenblick gestört oder doch umflort hat.“