Es war Ohlers.
„Hör einmal, Peters,“ sagte der Apotheker, und legte dem Doktor seine Hand auf die Schulter, „ich habe eben mit Deiner Frau gesprochen.“
„Mit meiner Frau, Ohlers?“ flüsterte Peters, und ein leises Lächeln flog über seine Züge, „ich kann Dir gar nicht sagen, wie sonderbar das klingt.“
„Na natürlich ist Dir der Ehestand noch neu,“ meinte der Apotheker, „aber — Du kennst ja die Frauen. Mit der Civilehe ist es eine recht schöne Sache, aber wenn sie den Pfaffen nicht doch noch dabei haben, glauben sie, daß die Geschichte nicht ordentlich geleimt und verkittet wäre. Außerdem mit dem Zufall gestern Abend — wenn auch Alles in Ordnung ist — und so läßt sie Dich fragen, ob Du etwas dagegen hättest, wenn wir heute Morgen — nachdem Ihr doch nun vor dem Friedensrichter gestanden und die Sache eigentlich abgemacht ist — noch einmal die kirchliche Trauung vornähmen. Wir Alle wissen ja recht gut, daß es nicht nöthig ist, aber lieber Gott, die Frau beruhigt’s.“
„Ich habe auch nichts dagegen, Ohlers,“ sagte Peters freundlich, „ja ich will Dir aufrichtig gestehen, daß ich, während Ihr unten waret, schon selber daran gedacht habe, und Frau — und meine Frau darum bitten wollte. Das Verhängniß ist gesühnt — ich wußte, welcher Gefahr ich ausgesetzt war, und glaubte nie, daß sie so leicht an mir vorübergehen würde. Jetzt ist es geschehen, und es würde mir selber zur Beruhigung gereichen, nicht blos die dunklen, unbestimmten Umrisse meiner Trauung im Gedächtniß zu bewahren, sondern die feierliche Handlung auch bei vollem Bewußtsein noch einmal durchzumachen.“
„Bravo,“ sagte Ohlers, vergnügt in die Hände schlagend. „Umbreit ist schon unten, in einer halben Stunde kann Alles abgemacht sein, und weißt Du, was Ihr dann thut? Dann setzt ihr Euch auf den Dampfer Dayton und macht eine kleine Vergnügungstour nach Cincinnati oder St. Louis, oder wo Ihr sonst hin wollt, wir werden indessen schon hier zu Rechtens sehen, daß im Lindenbaum Alles seinen ruhigen Gang geht. Wie? hab’ ich Recht?“
„Guter Ohlers,“ sagte Peters, der tief gerührt schien, „mach und ordne Du Alles an, wie Du es willst, ich füge mich Dir ganz, denn ich weiß, daß Du es gut mit mir meinst.“
„Noch einmal Bravo,“ sagte der Apotheker, dem Doktor die Hand reichend, „und darauf kannst Du Dich verlassen, mein alter Junge, denn gerade weil wir es gut mit Dir meinen, haben wir Dir ja auch so zugeredet. Jetzt überlaß nur Alles mir — bleibe noch einen Augenblick hier oben, aber komm mit in das andere Zimmer herüber, denn Deine Frau muß sich auch ein wenig anziehen, und bis zum Frühstück soll Alles abgemacht sein.“
Ohlers hatte nicht zu viel versprochen; er trieb nach allen Seiten, und während die Frau ihre Toilette machte, richtete er in einem der Gastzimmer einen kleinen Altar her, an dem die heilige Handlung ohne Schwierigkeit und mit Anstand vollzogen werden konnte. Degmar besorgte indessen Blumen und sonstige Ausschmückung, Dölzig ging nach Haus, um seine Frau und Schwägerin, die eine zur Zeugin, die andere zur Brautjungfer abzuholen, und um halb elf Uhr führte er den kleinen Zug in feierlicher Prozession in das wirklich festlich hergerichtete Gemach hinüber.
Pastor Umbreit war dabei ebenfalls ein durchaus praktischer Mann, der sich nie lange bei der Vorrede aushielt. Die Trauungsrede, die er hielt, dauerte nicht länger als jede Trauungsrede eigentlich dauern sollte, etwa zehn Minuten, denn was ihnen der Geistliche sagen könnte, wissen die Brautleute schon außerdem, und haben es sich selber oft genug gesagt, und jetzt zum ersten Mal, nachdem sie die von Umbreit selber mitgebrachten Ringe gewechselt und der Segen über sie gesprochen worden, umfaßte Peters seine erröthende Frau, drückte einen langen Kuß auf ihre Stirn und flüsterte ihr zu, daß er sich recht — recht glücklich fühle, und sein ganzes Leben daran wenden wolle, sie ebenso glücklich zu machen, und ihr für ihre Liebe zu danken.