„Der alte Narr, der Bäckermeister, hätte auch ’was Gescheidteres thun können als Dich da hinauf zu hetzen; aber ich habe ihm meine Meinung schon gesagt. Und der Registrator war gleichfalls dabei und hat’s gelitten?“
„Er konnt’ es nicht hindern.“
„Und weshalb haben sie mich nicht geweckt?“ rief der Alte, „ich hätt’s gehindert, das sei versichert.“
„Du schliefst schon so lange, Vater,“ sagte das junge Mädchen und sah ihn dabei wieder mit ihrem stechenden Blick an, „daß sie Dich gewiß nicht stören wollten.“
Paul Jochus blickte eine Weile vor sich nieder, er wollte noch etwas sagen, das war gewiß, aber er brachte es nicht über die Lippen, und sich plötzlich auf seinen Hacken herumdrehend, verließ er das Zimmer und warf die Thür in’s Schloß, daß die Scheiben klirrten.
Rosel kam den ganzen Tag über nicht in die Wirthsstube, so oft die Gäste auch nach ihr frugen, und der Vater ließ sie auch still gewähren; es war ihm selber recht, daß sie dem neugierigen Volk keine Rede stand. Er selber aber war desto geschäftiger heute in dem Raum, in dem er sich sonst nur dann und wann blicken ließ, und bediente seine Gäste auf das Sorgsamste. Ueber Mittag war die Stube ziemlich leer geworden und Paul Jochus hatte eben seine Mahlzeit an einem der Tische allein verzehrt und seinen Schoppen Wein dazu getrunken, als Bruno von der Haide in’s Zimmer trat und, auf den Wirth zugehend, ihn um eine kurze Unterredung unter vier Augen bat.
„Mein lieber Herr Von,“ sagte Jochus finster, ohne von seinem Platz aufzustehen, „ich glaube, wir können uns Beide die Mühe sparen, denn ich weiß wahrscheinlich schon, was Ihr Begehr ist.“
„Möglich, Herr Jochus,“ sagte der junge Mann ernst, „aber doch vielleicht nicht ganz. Es hat sich nämlich so viel in meinen Verhältnissen geändert, daß eine Verständigung dringend geboten ist; ich bitte Sie nur um wenige Minuten Gehör und die Entscheidung ist dann immer noch in Ihre Hand gegeben.“
Jochus schüttelte den Kopf. Es lag ihm indessen selbst daran, den ihm lästig werdenden Bewerber abzufertigen, was er hier, in offener Wirthsstube, nicht gut konnte; darum stand er auf, trank den Rest seines Weines aus und sagte:
„Na, so kommen Sie meinetwegen. Da drüben in der Stube sind wir ungestört, aber ich muß Sie von vorn herein bitten, es kurz zu machen. Sie sollen dann auch nicht lange auf meine Antwort zu warten brauchen.“