„Nicht dürfe — hm,“ brummte Jochus, „das ist allerdings wunderbar, und gestern Abend sagte sie nichts davon?“
„Keine Silbe, sie war ganz Liebe und Vertrauen und tröstete mich selber auf die Zukunft, der wir fröhlich entgegenharren müßten.“
Der Wirth ging zur Thür, öffnete sie halb und rief nach Bärbel, der er den Auftrag gab, Rosel herunter zu schicken, der Herr von Haide sei da. Indessen stand Bruno am Fenster und starrte hinaus, während der Wirth mit untergeschlagenen Armen im Zimmer auf und ab ging. Jedoch das Mädel kam nicht wieder und den Beiden wurde die Zeit lang. Endlich, als der Wirth schon einmal nach ihr rufen wollte, steckte die Bärbel den Kopf in die Thür und sagte: „Sie will nicht,“ drückte sie dann in’s Schloß und ging wieder an ihre Arbeit.
„Sie will nicht?“ wiederholte Paul Jochus erstaunt und blieb mitten in der Stube stehen.
Bruno hatte sich rasch umgeblickt, als sich die Thür öffnete; jetzt seufzte er aus tiefster Brust und flüsterte:
„Ich habe es fast gedacht — Gott nur weiß, was sie plötzlich gegen mich eingenommen haben kann — ich begreife es nicht.“
„Und hat sie Ihnen gar keinen Grund angegeben?“ frug der Wirth plötzlich und blieb vor dem jungen Manne stehen, „besinnen Sie sich einmal, gar keinen Wink nach irgend einer Richtung?“
„Keinen,“ sagte dieser kopfschüttelnd, „keinen wenigstens, den ich verstanden habe oder verstehen konnte, denn ihre Worte klangen dunkel und unheimlich; sie könnte und dürfte mir nicht mehr sagen, als daß wir scheiden müssen — scheiden für immer — das war Alles.“
„Hm,“ brummte Jochus, dessen Gesicht eine düstere Färbung angenommen hatte, mit festzusammengezogenen Brauen, „weiß der Henker, was dem Mädchen durch den Kopf gefahren sein kann, denn eigenwillig ist sie, wie der helle Teufel, und man hat oft seine liebe Noth mit ihr. Aber lassen Sie mich mit ihr reden, Herr von Haide — und ich denke, wenn Sie die Anstellung bekommen — wir wollen einmal sehen, es macht sich ja doch vielleicht noch Alles, und das Mädel vergißt vielleicht bis dahin auch die Grillen.“
„Wenn wir sie nur jetzt bewegen könnten, mich noch einmal anzuhören!“