„Jetzt ist nichts zu machen,“ sagte Jochus kopfschüttelnd, „erst muß ich selber noch einmal mit ihr sprechen. Sie kommen dann vielleicht einmal wieder vor oder ich schicke auch zu Ihnen hinüber.“

„Sollte es nicht am Ende doch mit ihrem nächtlichen Gang in Verbindung stehen?“ warf Bruno ein; „ich würde mir gar nichts weiter darüber gedacht haben, aber —“

„Ach was,“ lachte der Alte, doch das Lachen klang etwas erzwungen, „sie ist ja keiner Menschenseele unterwegs begegnet, na, und daß ihr kein Gespenst erschienen ist, ich dächte, darüber brauchten wir Zwei uns nicht zu beunruhigen. Ein dummer Streich war’s immer, und ich habe ihr auch schon tüchtig den Text darüber gelesen, denn für ein junges Mädel paßt es sich nicht, auf solche Art zu prahlen und bei Nacht und Nebel in der Welt herumzulaufen.“

„Sie hatten sie geneckt,“ sagte der junge Mann, „und bei ihrem Ehrgefühl gepackt; sonst hätte sie’s auch sicher nicht gethan.“

„Nun, es ist jetzt vorbei,“ sagte der Vater, „und nicht mehr zu ändern, geschieht aber hoffentlich nicht wieder.“

„Und Sie wollen mit ihr reden, Herr Jochus?“

„Ich habe es Ihnen versprochen, heute noch, oder wenn es heute nicht gehen sollte, spätestens morgen früh. Wir wollen sehen, was sich thun läßt, ein merkwürdiges Mädel ist’s freilich, mein lieber Herr Actuar, und einen Trotzkopf hat sie, wie keine Zweite.“

„Aber die Rosel ist so gut, so brav!“

„Das ist sie, ja,“ sagte Jochus und sah vor sich auf den Boden nieder, „gerade wie ihre selige Mutter, deren ganzen Charakter sie auch geerbt hat; arme Clara, wenn sie leben geblieben wäre!“