„Ich gehe jetzt, Herr Jochus,“ brach der junge Mann ab, „und überlasse Ihnen das Weitere. Wenn Sie mir aber erlauben, frage ich morgen Abend, falls ich zurück sein sollte, wieder bei Ihnen an, denn ich muß heute noch nach Hellenhof aus das Obergericht und weiß nicht, ob ich bis dahin wieder zurück sein kann.“
Der Wirth antwortete ihm nicht; er nickte nur, ganz in seine Gedanken vertieft, leise vor sich hin, ja, er bemerkte kaum, wie der junge Mann das Zimmer und das Haus verließ.
Fünftes Kapitel.
Vater und Tochter.
Rosel hielt sich den ganzen Tag auf ihrem Zimmer. Sie sei nicht recht wohl, ließ sie dem Vater sagen, der später noch einmal Bärbel zu ihr hinaufschickte. Gegen Abend kam ein Arbeiter und brachte die beiden großen Orangenstöcke vom Bäckermeister Bollharz. Rosel nahm aber die Stöcke nicht an; sie wollte sie nicht haben und beauftragte den Mann, der sie brachte, sie hinüber zum Registrator zu fahren, der auch ein großer Blumenfreund war. Er sollte nur eine Empfehlung von ihr ausrichten, sie bäte ihn, die Stöcke, ihr zum Andenken, zu behalten.
Paul Jochus hatte indessen unten keine Ruhe im Haus. Bald saß er, ganz gegen seine Gewohnheit, in der Wirthsstube hinter einem Schoppen Wein, bald lief er hinaus zu seiner Kelter, um nach der Arbeit zu sehen. Einmal war er auch sogar schon auf dem Wege nach Hellenhof gewesen, aber wieder umgekehrt, denn das eigenthümliche Benehmen des Mädchens ging ihm im Kopf herum, und er mußte mit ihr sprechen, um endlich zu erfahren, was es eigentlich bedeute.
Hätte er ein gutes Gewissen gehabt, so würde es ihn wohl wenig gekümmert haben, denn er ließ ja sonst Rosel immer ziemlich unbekümmert ihren eigenen Weg gehen, aber so quälten ihn tolle und, wie er sich immer noch einreden wollte, unmögliche Vermuthungen, quälte ihn ein unbestimmter Verdacht, und über den mußte er mit ihr in’s Reine kommen, denn die Gewißheit war immer noch besser als dieser drückende Zweifel, der ihn nicht mehr ruhen und rasten ließ.
Entschlossen kehrte er nach Hause zurück und stieg ohne Weiteres zu Rosel’s Zimmer hinauf, an das er klopfte.
„Wer ist da?“
„Ich bin’s, Rosel, ich muß ein Wort mit Dir sprechen.“