„Für die Wittwe? — hm, ich denke wohl; für mich allein ist’s doch zu viel — nun wir wollen einmal sehen, komm’ jetzt herein, Dein Rezept wird indessen gemacht.“

Der Doktor folgte, und Ohlers führte ihn in sein kleines Privatzimmer, das er sich sehr bequem und nett hergerichtet hatte. Ein Sopha stand darin mit zwei Lehnstühlen, ein kleines Regal mit verschiedenen feinen Liqueuren befand sich in der Ecke, und auf einem Seitentisch fehlte auch nicht eine Kiste mit guten Cigarren, auf die Ohlers überhaupt etwas hielt. Der Doktor kannte das Plätzchen auch gut genug, und hatte in früheren Zeiten manche Stunde hier mit dem Apotheker verplaudert — aber jetzt schon lange nicht mehr, denn seine Morgenstunden waren ausschließlich dem Lindenbaum gewidmet gewesen.

Trotzdem heimelte es ihn an, als er hinein trat, und wie er nun gar behaglich in der Sophaecke lehnte, mit dem ächten Limburger und einem Glas delikaten funkelndem Ungarwein vor sich, überkam ihn ein Gefühl so wie Heimweh, und er wurde ganz wehmüthig gestimmt. — Aber der Wein brachte ihn wieder zu sich.

„Junge, Junge,“ rief er, als er ihn erst vorsichtig und dann schon dreister gekostet hatte, „das ist ja ein ganz delikater Wein — wo hast Du den her?“

„Direkt von Pesth verschrieben, kostet auch ein schönes Geld, bis er hierher kommt — aber nicht wahr, der schmeckt?“

Der Doktor antwortete nicht — er that einen langen Zug und schob das Glas dem Freunde nur mit dem einen Worte wieder zu: „famos!“

Und jetzt der Limburger Käse — der Doktor thaute auf, und war lange nicht so heiter gewesen. Den Augenblick mußte der Apotheker benützen. Wie sein Freund nur eben ein paar Gläser getrunken hatte und das Feuer in den Adern spürte, sagte er treuherzig:

„Nun höre einmal Peters — jetzt beträgst Du Dich wieder wie ein anderer vernünftiger Mensch auch, was aber hat Dir die ganze Zeit über in den Knochen gesteckt, daß Du herum gegangen bist, als ob Dir die Petersilie verhagelt wäre.“

„Ach mein Junge,“ stöhnte der Doktor, und machte seinem Herzen durch einen schweren Seufzer Luft.

„Nanu?“ sagte Ohlers, „Du schneidst ja ein Gesicht wie ein Laubfrosch, wenn’s blitzt.“