„Gut, dann geh’ Du indessen lieber einmal hinauf, Vater, und halte eine Viertelstunde Wacht; indessen machen wir die Geschichte hier fertig und in Ordnung. Laß Dein Packet nur so lange hier unten, es wäre ja doch möglich, daß ein oder der andere Fremde bei dem schönen Wetter hier heraufkletterte, und sicher ist sicher.“
„’s ist am Ende besser,“ sagte der Alte, „aber halte Dich dazu; wir haben schon eine Menge Zeit verloren und ich muß machen, daß ich wieder nach Wellheim komme.“
Noch während er sprach, verbarg er einen Theil der Packete, von denen jedes eintausend Thaler enthielt, an seinem Körper, legte dann die anderen unten in eine Ecke, um sie nachher mitzunehmen, und stieg langsam den steilen, schlüpfrigen Pfad hinauf, der in den Burghof hineinführte.
Einmal hielt er erschreckt inne, denn es war ihm fast als ob er oben ein Geräusch gehört hätte, regungslos stand er und horchte, doch es schien Alles ruhig. Nur hohl und dumpf klangen die Schläge des Beils von unten herauf, mit denen Franz jetzt die Stühle zertrümmerte, um sie ebenfalls in die Grube zu werfen, welche Brendel schon angefangen hatte, an der einen Seite auszufüllen. Dicht daneben hatte er noch ein kleines, aber ziemlich tiefes Loch gegraben und in dieses den Rest der noch nicht vollendeten Banknoten mit dem Spaten hineingestampft; dort unten mochten sie verfaulen, denn wenn sie jetzt ein Feuer anzündeten, so konnte sie vielleicht der aufsteigende Rauch verrathen.
Paul Jochus hatte indessen die steilen Treppenüberreste erreicht, die hinauf in’s Freie führten. Es war ihm wunderbar bänglich zu Muthe und er scheute sich an das Tageslicht hinaufzusteigen. Warum denn? Oft und oft hatte er den Weg gemacht und kannte doch wahrhaftig keine Furcht; es war nur ein sonderbares Gefühl, das ihn beschlich, und immer wieder horchte er auf’s Neue. Aber da unten wurde es ihm zuletzt, als ob er gar keinen Athem mehr holen könne; wie Blei lag es ihm auf der Brust, und er kletterte jetzt rasch die Treppe hinauf, um nur erst einmal an die frische Luft zu kommen.
In das kleine Gewölbe, das Paul Jochus jetzt betrat und das dicht an den Burghof stieß, fiel allerdings die Sonne noch nicht herein, denn die einzige dort eingebrochene Thür lag nach der Nordseite, es war jedoch hell genug darin, um sich umsehen zu können, und er athmete hoch auf, als er keinen Menschen hier erblickte; war es doch fast als ob er erwartet hätte, hier Jemanden zu finden. Plötzlich aber stieß er einen lauten Angstschrei aus, denn in dem Moment sprangen zwei dunkelgekleidete Gestalten durch die schmale Thür und warfen sich auf ihn. Jeder Flucht- und Widerstandsversuch war unmöglich, weil den Zweien noch Andere folgten. Soldaten sah er ebenfalls mit ihren blitzenden Helmen und Gewehren. Im Nu hatten sie seine Arme gefaßt und ihn an weiterer Flucht verhindert.
„Was wollt Ihr?“ schrie er absichtlich laut, „was habt Ihr vor? Seid Ihr Räuber und Mörder?“
Das Klopfen hatte unten aufgehört, aber immer mehr Menschen drängten in den engen Raum.
„Laternen her!“ rief der Assessor Schüler, der das Ganze leitete, „hier ist der Eingang zu dem Versteck. Klettere einmal einer mit einer Laterne voran. Ihr Uebrigen breitet Euch oben aus; ich brauche nur vier Mann mit mir, wir wissen nicht, ob der Bau nicht noch eine Nothröhre hat, durch welche die Schufte vielleicht ausfahren könnten. Vorwärts! Ihr kennt Eure Ordre.“