Die Frage galt augenscheinlich dem Hausknecht, auf den sie aber ebenso geringen Eindruck machte, wie das Klingeln vorher. Entweder hatte er sie nicht gehört, oder wollte er sie nicht hören, aber er kehrte ruhig weiter.

„Bitte, wecken Sie den Mann nicht“, sagte der Fremde ruhig, „er scheint im ersten Schlaf zu liegen. Wenn Sie nur so freundlich wären, mein Schatz, mir einen von diesen Tischen abzuwischen und dann eine Tasse Kaffee und ein Glas Cognac für mich zu bestellen, nachher brauchen wir jenen Biedermann nicht zu belästigen.“

„Ei du lieber Gott“, sagte das junge Mädchen, „es sieht ja aber noch gar zu erschrecklich hier aus. Ja freilich, wenn man Nachts bis halb drei Uhr auf den Füßen sein muß, dann verschläft man sich wohl auch einmal. — Sie sollen’s gleich haben.“

Dabei hatte sie ein feuchtes Wischtuch genommen, den einen Ecktisch abgeräumt und rein gewischt, einem Stuhl denselben Liebesdienst erwiesen, und diesen jetzt dem frühen Gast hinrückend, fuhr sie fort:

„Da, nehmen Sie Platz — und wie das hier zieht — aber Sie sollen gleich Ihren Kaffee haben, und dann wird auch der Platz hier rasch aufgeräumt. Wo nur der Mosje Louis steckt.“ Und mit den Worten verließ sie das Zimmer, um das Verlangte selber herbeizuholen.

Der Fremde schien gar nicht mehr zu hören, was sie ihm sagte, sondern nur mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt zu sein. Er hatte den Reisesack, den er trug, neben sich auf einen Stuhl gestellt, setzte sich an den Tisch, stemmte den Kopf in die Hand und sah still und düster vor sich nieder, veränderte auch seine Stellung nicht, bis das Mädchen mit Kaffee und Cognac zurückkam, Beides vor ihn hinsetzte und dann geschäftig daran ging, das Zimmer in Ordnung zu bringen. Der Hausknecht hatte indessen seine Arbeit ebenfalls beendet, und wollte gerade die Thür wieder schließen, als sein Blick auf den Fremden fiel. Er drehte wieder um, kam herein, ging auf diesen zu und sagte, während er sich mit dem linken Daumen am Hals kratzte und mit der rechten Hand auf die Füße des Reisenden zeigte, nur das eine Wort:

„Stiefel putzen?“

Dieser sah überrascht zu ihm auf.

„Ah, guten Morgen, Kamerad. Ausgeschlafen?“ lachte er.

„Auf der einen Seite“, brummte der Mann mit der rothen Schürze. „Stiefel putzen?“