„Lieber Freund, das geht uns oft so auf der Welt, und wir vor allen Anderen können uns gratuliren, daß die Menschen im Allgemeinen eben nicht das nur kaufen, was sie gerade nothwendig brauchen, denn unser ganzer Handelsstand beruht darauf, daß sie das eben nicht thun. Der Mensch bedarf zu seinem Leben wirklich nöthig entsetzlich wenig, und wollte er sich darauf beschränken, wie sollte es dann mit Handel und Wandel, um Schifffahrt und Verkehr aussehen. Der Luxus gerade, für den wir civilisirte Menschen gar keine Grenze mehr haben, weil er mit unserem einfachsten Leben schon so fest verwachsen ist, hält die Sache in Gang, und bleibt eben nur so lange wirklich Luxus, als wir auch ihn nicht „nothwendig brauchen,“ wo er dann zum Bedürfniß und zu dem wird, was wir eben zum Leben haben müssen.“

„Nun aber der Khris hier ist doch wirklich Luxus“, lachte der Capitain.

„Für Sie in diesem Augenblick, ja, aber wie lange vielleicht, und Sie brauchen ihn nicht allein nothwendig, sondern müssen sogar noch eine Menge anderer ähnlicher Sachen dazu haben, ein „Naturalien-Cabinet“ zu vervollständigen. Mit einer Sache muß der Mensch anfangen, und das Eine zieht eben das Andere nach. Sehn Sie zum Beispiel den Javanen an; mit einer Handvoll Reis hält er seine Mahlzeit; eine Bambushütte, die ihn eben nothdürftig gegen Thau und Regen schützt, genügt ihm zur Wohnung, ein Stück Baumwollenzeug und ein Strohhut zur Kleidung, und was für einen Gefallen glauben Sie wohl, daß Sie einem solchen Menschen mit einer Astrallampen oder mit irgend einer Europäischen Zimmer-Verzierung erweisen würden? Gehen Sie aber zu einem der unter Holländischen Einfluß stehenden Häuptlinge, und Sie werden Astrallampen und Zimmer-Verzierungen, Teppiche, Kronleuchter, Wandgemälde etc. etc. im wahren Überfluß als nothwendiges Bedürfniß finden. Die Khrise spielen übrigens in dem Leben der Javanen eine sehr bedeutende Rolle, und einzelne von ihnen erben von Vater zum Sohn und Enkel herab, und dürfen nimmer verkauft werden. Viele davon sind jedoch in den letzten Kriegen in den Besitz der Weißen gekommen, und öfters ist es vorgekommen, daß Javanische Häuptlinge, die ihre Stammwaffe in fremden Händen fanden, bedeutende Summen gegeben haben, sie wieder zu erlangen.“

„Ich wollte, ein solcher Javanischer Häuptling hätte Lust zu diesem Khris“, lachte der Capitain, die Waffe aus der Scheide ziehend und in der Sonne blitzen lassend, „mit einigen Prozenten Gewinn könnte er ungemein leicht wieder Eigenthümer derselben werden.“

„Dort steht gleich Einer,“ sagte der Yankee, „und wenn ich nicht irre sogar derselbe, der da drüben im Verkaufslokal die Waffen so genau betrachtete. Der kann uns wenigstens sagen, was das Messer wirklich werth ist, und wir erfahren dann gleich, ob Sie einen guten Kauf gemacht haben. Heh, Freund, komm einmal hier her, und sage, wie dir der Khris da gefällt.“

Der also Angeredete, der unfern von ihnen mit untergeschlagenen Armen an einem Pfeiler lehnte, war ein schlanker, stattlicher Bursch von ungefähr zwei bis drei und zwanzig Jahren, und die dunklere Hautfarbe, wie die edelgeschnittenen Züge und blitzenden Augen verriethen allerdings den Javanen, der sich von den Sunda'nern (wie die Bewohner der östlichen Insel genannt werden) wesentlich unterscheidet. So knechtisch diese aber den Holländern, ihren jetzigen Herren, gegenüber sind, so wenig nahm der Bursche hier Notiz von der Anrede, die er jedenfalls gehört haben mußte. Mit eben nicht ganz freundlichem Blick die Gestalten der beiden Männer nur flüchtig überfliegend, wandte er den Kopf halb zur Seite, und schien keineswegs gesonnen, auch nur ein Glied zu rühren, der Aufforderung Folge zu leisten.

„Hallo, der ist unabhängig,“ lachte der Amerikaner vor sich hin, „und wir werden zu ihm gehen müssen, wenn wir etwas von ihm wissen wollen. – Heda, Freund!“ setzte er dann in Malayischer Sprache hinzu, die Waffe dabei aus des Capitains Hand nehmend und auf den Javanen zugehend, „kannst du mir sagen, was das Messer hier einmal gekostet?“

Der Javane zog die Brauen finster zusammen, richtete sich dann stolz und trotzig empor, und wollte sich eben, ohne ein Wort auf die Anfrage zu erwidern, von den ihm jedenfalls verhaßten Weißen abwenden, als sein Auge auf den Khris fiel und er in demselben Moment auch wie unwillkührlich den Arm danach ausstreckte. Das Blut schoß ihm dabei in die Schläfe und er suchte fest und forschend den Blick des Fremden, als ob er dessen Absicht in seinem Antlitz lesen wollte. Aber es war auch wirklich nur ein Moment, der Arm glitt zurück in seine alte Stellung, ebenso der Körper, der sich wieder nachlässig gegen den Pfeiler drückte; nur den Blick konnte er nicht losreißen von der Waffe, und der Amerikaner mußte seine Frage wiederholen, ehe er sie nur verstand.

„Weiß ich nicht,“ sagte er dann, finster den Kopf zur Seite werfend, „ist ein alter Khris – wollt Ihr ihn verkaufen?“

„Junge, Junge[44],“ sagte der Yankee, der schon lange im Ostindischen Archipel wohnte und die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen genau kannte, in Holländischer Sprache zu dem Capitain, „der Bursche da weiß mehr von dem Khris, als er uns jetzt verrathen mag, und giebt sich umsonst die größte Mühe, gleichgültig dabei zu bleiben. Außerdem ist das auch gar kein gewöhnlicher Eingeborener, wie ich im Anfang geglaubt. Was für einen kostbaren Sarong er trägt, und welch' ein prachtvolles golddurchwirktes Kopftuch – hm, hm, wenn der ihn haben will, soll er tüchtig dafür bezahlen.“