Zwei Weiße, der Capitain eines vor einiger Zeit eingelaufenen Holländischen Kauffahrers, und ein Amerikanischer Kaufmann, der sich schon seit längeren Jahren in Batavia niedergelassen, waren ebenfalls durch das rege Leben und Treiben angelockt worden, das Haus zu betreten und die ausgestellten Sachen in Augenschein zu nehmen. Es kostete freilich Mühe, bis sie sich durch das Gedränge von Chinesen, Javanen und Europäern, die in allen Sprachen der Welt hier durch einander schrieen, Bahn machten. Endlich aber erreichten sie doch den weiten luftigen Raum, in dem die Waaren, theils an den Wänden hängend, theils auf den Seitentischen ausgelegt, wirr und unordentlich, wie man sie eben aus den Kisten gepackt, aufgeschichtet und zerstreut lagen. Auf den Tischen herum springende Chinesen schienen dabei das Ganze zu überwachen, auf die Gebote zu horchen, das Erstandene auszuliefern, und das Geld dafür in Empfang zu nehmen, wobei sie noch außerdem auf die Finger ihrer Landsleute zu passen hatten, die in dieser Hinsicht in eben keinem besondern Rufe stehen.
Die Auction selber fand, von einem Liplap[43] geführt, in Holländischer und Malayischer Sprache zugleich statt, und ganze Bündel seltener Speere und Pfeile, Bögen, Schilde, Schmuck von Muscheln und Zähnen, geflochtene Geräthschaften, geschnittene Gefäße und künstlich und sauber verfertigte Zierrathen, wie Kasten mit ausgestopften Vogelbälgen und Thieren, mit Schmetterlingen und Käfern, Sammlungen von Früchten, Conchilien und Mineralien, wurden um einen Spottpreis, oft gleich nach dem ersten flüchtigen Gebot, den Käufern zugeschlagen.
Die beiden Männer hatten sich endlich mit nicht geringer Mühe dorthin Bahn gemacht, wo eine Anzahl sehr schöner Waffen, besonders Khrise, auf einem kleinen Seitentische lagen, und eben, dem Wunsch eines Franzosen nach, zum Kaufe ausgeboten wurden. Manche davon waren sehr künstlich, ja kostbar gearbeitet, und mit Gold und Steinen eingelegt, wie mit herrlichen damascirten Klingen; andere wieder einfach und derb gearbeitet, mit glatter hölzerner Scheide und nicht selten mit dem Haarbüschel der erlegten Feinde geziert, wie es auf Borneo die Sitte der Krieger ist. Der Franzose erstand eine ziemliche Anzahl derselben um einen ziemlich hohen Preis, während ein dicht neben ihm stehender Javane die einzelnen Waffen, jede besonders, aus der Scheide zog und aufmerksam betrachtete, ohne jedoch darauf mit zu bieten.
Der Holländische Capitain hatte indessen dem ganzen Handel ziemlich gleichgültig zugeschaut, bis der Franzose seine Einkäufe gemacht und den Platz mit den Erstandenen Waffen geräumt hatte. Auch der Javane schien genug von dem ganzen Treiben gesehn zu haben, zog seinen Sarong fester um sich und verließ das Zimmer. Indessen entdeckte der Chinesische Aufseher unter den übrigen Sachen noch einen zurückgebliebenen Khris und legte ihn auf den Tisch des Verkäufers.
„Ach wahrhaftig, da ist noch einer!“ rief dieser, „nun, meine Herren, wer bietet darauf, denn unser Khriskäufer ist fort – noch ein werthvolles Stück, mit prächtigen Granaten besetzt und fein damascirter Klinge – dreißig Gulden zum Ersten, dreißig Gulden zum Ersten sag' ich, die Waffe ist hundert werth“ –
„Ein und dreißig Gulden,“ bot der Holländische Capitain.
„Ein und dreißig Gulden, guter Gott, ein Spottpreis,“ sagte der Auctionator, – „ein und dreißig Gulden zum Ersten.“
„Vierzig!“ bot ein daneben stehender Engländer. „Fünf und vierzig!“ der Capitain wieder, und erstand zuletzt die wirklich schöne und geschmackvoll, wenn auch einfach gearbeitete Waffe, bis zu sieben und achtzig Gulden hinaufgetrieben. Augenscheinlich lag ihm aber sehr wenig daran, und sie in seine Tasche schiebend, sah er dem Verkauf der übrigen Sachen noch eine kurze Weile zu, ergriff dann den Arm des Amerikaners wieder, und verließ den durch die zahlreiche Menschenmenge doch schwül und dumpfig gewordenen Raum, die freie Luft zu erreichen.
„Man sollte doch wahrhaftig schon aus Grundsatz nie eine Auction betreten,“ sagte er hier, als er die Waffe wieder vorzog und betrachtete, „wenn man nicht irgend etwas Bestimmtes kaufen will und wirklich braucht. So fest ich mir vorgenommen hatte, mein gutes Geld nicht muthwillig an irgend einen nutzlosen Gegenstand zu verschleudern, hab' ich mich doch hier wieder mit dem Ding da anführen lassen, und bin um ein Stück Eisen reicher, und um sieben und achtzig Gulden ärmer geworden, als ich vorher war.“
Der Amerikaner hatte den Khris indessen aus der Scheide gezogen und prüfend betrachtet und sagte lachend: